Europäischen Islam entwickeln

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Europäischen Islam entwickeln

Ehemaliger Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft Frühwald warnt vor zu hohen Erwartungen

Vor zu hohen Erwartungen an die Einrichtung einer Islamischen Theologie an deutschen Universitäten hat der Literaturhistoriker und langjährige Wissenschaftspolitiker Wolfgang Frühwald gewarnt. Er begrüße die jüngsten Empfehlungen des Wissenschaftsrates zum Aufbau von Islam-Instituten und einer Etablierung der Imam-Ausbildung an Hochschulen als Beitrag gegen die Ghettoisierung der Muslime in Deutschland, so der ehemalige Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft am Donnerstagabend in Würzburg. Dennoch hafte den Plänen "etwas Utopisches" an.

Weder kenne der Islam eine kirchliche Verfassung noch sei absehbar, wie innerhalb seiner unterschiedlichen Gruppen und Formen ein möglicher Vertragspartner des Staates gefunden werde könne, erläuterte Frühwald. Mit der Integration islamischer Theologie an europäischen Universitäten werde dieses Problem zwar nicht gelöst, aber als gesellschaftliches Bedürfnis ersten Ranges sichtbar gemacht.

Die Einführung einer bekenntnisgebundenen islamischen Theologie an deutschen Universitäten und eines islamischen Religionsunterrichts an staatlichen Schulen wäre nach Ansicht Frühwalds ein wichtiger Schritt in Richtung eines europäischen Islam. Dessen Entwicklung nannte er "eine Lebensnotwendigkeit Europas, an der wir um der gemeinsamen Zukunft in der globalen und multikulturellen Welt willen interessiert sein müssen."

Frühwald warnte zugleich davor, dass die notwendige Integration islamischer Theologie an deutschen Universitäten zu Lasten der christlichen Theologie erfolgen könnte. Wer christliche theologische Fakultäten als einen "Steinbruch" betrachte, "aus dem beliebig und planlos Stellen und Mittel abgezogen werden können, um anderswo aufgetretene Löcher zu stopfen", zerstöre nicht nur ein gesellschaftlich bedeutsames Fach, sondern auch die Basis der modernen Universität. (0190)

(Artikel vom 05.02.2010)