Vier Jahreszeiten sind der einzige Grabschmuck
Geplanter Trauerwald bei Kempten stößt bei Nachbarn auf Skepsis - (mit Bild)
Von Monika Rohlmann (epd)
Der Ort scheint wie geschaffen für das Vorhaben: Ein Mischwald aus Weißtanne, Fichte und Buche, idyllisch gelegen an einer Lichtung, die den Namen "Himmelswiese" trägt. Das gut drei Hektar große Areal bei Weitnau, etwa 20 Kilometer südwestlich von Kempten, soll ein Naturfriedhof werden, der erste Trauerwald Schwabens. Nun aber verzögert sich das Projekt, weil es Gegner gibt. Unter den Anliegern befürchten einige einen Friedhofstourismus, haben Bedenken für die Jäger und sorgen sich um die biologisch wertvollen angrenzenden Gelände.
Träger des Trauerwalds ist die alt-katholische Gemeinde in Kempten, der auch das Grundstück gehört. Kirchenvorstandsvorsitzender Hans Bauer ist bereits seit sechs Jahren für den Wald und das Projekt zuständig: "Gerade für Menschen, die sich im Leben sehr der Natur verbunden gefühlt haben, ist diese Variante zum normalen Friedhof eine gute, würdige Alternative", erläutert er. Pfarrer Michael Edenhofer sieht im Naturfriedhof eine Chance, dass sich Menschen auch zu Lebzeiten mit dem Thema Tod auseinandersetzen, zum Beispiel bei einem Gang durch den Trauerwald.
"Wir gehen bei uns von insgesamt etwa 200 Bäumen aus, die verwendet werden können", beschreibt Kirchenvorsteher Bauer die Planungen. Pro Baum seien vier bis fünf Grabstellen denkbar - mit einer Liegedauer von mindestens zehn, bei Familienbäumen von 20 Jahren. Im Trauerwald soll es nur Urnen aus verrottbarem Material geben. An den jeweiligen Bäumen werden schlichte Namenstafeln mit Geburts- und Sterbedatum angebracht. "Ansonsten gilt: Die vier Jahreszeiten sind Grabschmuck genug", so Bauer. Er rechnet mit etwa 20 bis 25 Bestattungen pro Jahr von Menschen aller Konfessionen und Weltanschauungen. Möglich sein sollen Beisetzungen mit oder ohne Geistlichen.
Es sei keinesfalls an eine schnelle Auslastung gedacht. "Irgendwann wird sich der Trauerwald von den Kosten her amortisieren, aber das muss nicht in den nächsten zehn Jahren sein", so Bauer. Betrieben wird der Naturfriedhof von der "Trauerwald GbR" von Anton Aschenbrenner und Manuel Kasberger.
Der Gemeinderat Weitnau hat im Oktober der Einrichtung des Naturfriedhofs grundsätzlich zugestimmt. Eigentlich sollte der Trauerwald bereits im Mai 2010 in Betrieb genommen werden. Jetzt verzögert sich der Termin bis nach den Sommerferien oder sogar bis Ende des Jahres. "Wir möchten natürlich auch die Kritik und Bedenken mancher Anlieger ernst nehmen", sagt Bürgermeister Alexander Streicher. Bauer betont, er habe sich gleich von Anfang an um einen offenen Austausch mit den Anliegern bemüht. "Massentourismus fürchten wir nicht. Aber natürlich werden die Menschen anfangs einfach neugierig sein." (0199)
Foto b100080