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Veröffentlicht auf EPV - Evangelischer Presseverband für Bayern (http://www.epv.de)

Opfer von Frauenhandel immer jünger

Opfer von Frauenhandel immer jünger

Zwei Drittel der Prostituierten in Deutschland sind Ausländerinnen

Die Opfer des internationalen Frauenhandels und der Zwangsprostitution werden nach Beobachtung des polizeilichen Experten Helmut Sporer (Augsburg) immer jünger. Die meisten Opfer des Frauenhandels gehörten zur Altersgruppe bis 21 Jahre, sagte der Kriminalkommissar am Montag in München bei einer Fachtagung des bayerischen "Aktionsbündnisses gegen Frauenhandel" und der katholischen Hilfsorganisation "Renovabis". Die Nachfrage nach jungen Prostituierten sei "größer denn je".

Der Wunsch der Freier nach jungen Sex-Partnerinnen komme den Zuhältern und Schleuserringen entgegen, weil jüngere Opfer leichter auszubeuten seien. Die meisten seien der Landessprache am Einsatzort nicht mächtig und ließen sich leichter zu gefährlichen Sexualpraktiken bewegen. Zwei Drittel der in Deutschland tätigen Prostituierten seien inzwischen Ausländerinnen, führte Sporer aus. Die Anwerber- und Verteilerringe arbeiteten arbeitsteilig und organisatorisch professionell. Die Bordelle in Deutschland bestellten neue Prostituierte nach äußerlichen Kriterien "wie aus einem Katalog". Er habe sogar Fälle mit "Umtauschgarantie" kennen gelernt, so der Ermittler.

Die organisierte Prostitution versuche, vom Schmuddelimage wegzukommen und sich als Teil der Wellness-Bewegung darzustellen, sagte Sporer weiter. Fatal für Prostituierte, Freier, aber auch für die Ermittlungsarbeit der Polizei sei der Wegfall der Untersuchungspflicht für Prostituierte. Nur drei bis fünf Prozent ließen sich freiwillig untersuchen. "Die Täter haben ein Problem weniger, weil sich die Frauen früher in Problemlagen zumindest den Gesundheitsbehören anvertraut haben", so Sporer.

Bei der Tagung in der Hanns-Seidel-Stiftung in München begingen die bayerische Fachberatung für Prostitutionsopfer "Jadwiga" und das "Aktionsbündnis gegen Frauenhandel", ein Zusammenschluß von rund 20 vorwiegend kirchlichen Hilfsorganisationen, ihr zehnjähriges Bestehen. 900 Frauen habe ihre Organisation helfen können, sagte Jadwiga-Leiterin Monika Cissek-Evans. "Jadwiga" unterstützt die Frauen mit medizinischer und rechtlicher Hilfe, Vermittlung eines sicheren Aufenthaltes, Deutsch-Unterricht sowie Ausstiegs- und Rückkehrhilfen. (0397)

(Artikel vom 08.03.2010)

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