Landesbischof July: Krise nicht allein Schuld von gierigen Managern
Ifo-Instituts-Präsident Sinn bemängelt Bank-Geschäfte zulasten Dritter
Die weltweite Finanzkrise ist nach Ansicht des württembergischen Landesbischofs Frank Otfried July nicht allein auf die "Gier von Managern und Bankern" zurückzuführen. Er warne davor, nur das moralische Fehlverhalten Einzelner zu sehen, sagte July bei einer Podiumsdiskussion über "Verlorene Maßstäbe in der Wirtschaft" am Montagabend im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit in Augsburg.
Schuld an der Krise seien auch Fehler im System, die Banker erst zu Risikogeschäften verleitet hätten, so July weiter. Wichtig sei nun, aus den Fehlern zu lernen und ein "dem Menschen dienliches Wirtschaftssystem" zu etablieren. "Wir brauchen Wege für nachhaltiges Wirtschaften, intensive Gespräche mit den Wirtschaftsakteuren und eine ethische Konsensfindung", betonte July.
Auch Hans-Werner Sinn, der Präsident des Münchner ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, sieht nicht in der Gier von Bankern den Auslöser für die Finanzkrise. Denn das Streben nach noch Mehr gebe es in jedem Lebensbereich. Verantwortlich für die Krise sei vielmehr die Deregulierung der Banken, die für ihre Geschäfte vom Gesetz her kaum Eigenkapital benötigten und so zur "Zockerei" verleitet würden. Bei Pleitegeschäften sei dann nicht genügend Eigenkapital vorhanden, um Verluste auszugleichen. "Geschäfte zulasten Dritter zu machen, hat letztendlich zur Krise geführt", sagte Sinn. Ein gutes System halte die Gier in Grenzen. Dieses zu etablieren sei nun Aufgabe der Politik. (0399)