Diskussion um Rolle der Kirche befürchtet
Diskussion um Rolle der Kirche befürchtet
Katholische und evangelische Theologen beklagen "Glaubwürdigkeitskrise"
Die "Glaubwürdigkeitskrise" der Kirchen darf nach Ansicht des Ökumene-Beauftragten der Diözese Augsburg, Domkapitular Bertram Meier, nicht dazu führen, insgesamt die Rolle der Kirchen im Staat infrage zu stellen. "Es würde den Opfern nicht gerecht und wäre auch für die evangelische Kirche schlecht, wenn wir jetzt eine solche Diskussion führen würden", sagte der katholische Theologe am Dienstagabend. Er wies darauf hin, dass Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) im Beirat der "Humanistischen Union" sei. Diese Organisation verfolge eine Trennung von Staat und Kirche.
Das Vertrauen der Menschen in die Kirchen sei durch die Missbrauchsfälle so erschüttert, dass daraus ein "Flächenbrand" werden könne, räumte Meier weiter ein. "Ich hoffe nicht, dass das irische oder amerikanische Ausmaße annimmt." Die evangelische Bischöfin Margot Käßmann sei nach einer Alkoholfahrt um der Glaubwürdigkeit willen zurückgetreten, "bei uns gibt es aber noch Vertuschung, Verheimlichung und Nichtkooperation", sagte der Domkapitular, der bis 2002 im Sekretariat des damaligen Papstes Johannes Paul II. im Vatikan tätig war.
Die Beauftragte der bayerischen evangelischen Landeskirche für den bevorstehenden Ökumenischen Kirchentag im Mai, Andrea Wagner-Pinggèra, ging bei der Diskussion zum Thema "Ökumene" ebenfalls auf Missbräuche in Einrichtungen evangelischer und katholischer Kirche ein. "Mit dem Willen zur Aufklärung und Transparenz hoffe ich, dass Glaubwürdigkeit wieder wachsen kann." Das Schlimmste an den vorliegenden Fällen aber sei "die Verbindung von Amtsmissbrauch und Machtmissbrauch", sagte die Pfarrerin. (0407)


