Ex-DGB-Chef Schösser fordert von Gewerkschaften mehr gesellschaftliches Engagement
Ex-DGB-Chef Schösser fordert von Gewerkschaften mehr gesellschaftliches Engagement
Die Gewerkschaften müssen sich wieder mehr in die Gesellschaft einmischen und Engagement nicht nur in der Tarifpolitik zeigen. Dafür hat sich der ehemalige Landesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Bayern, Fritz Schösser, ausgesprochen. Die Gewerkschaften seien in den letzten Jahren zu sehr auf Tarifpolitik fixiert gewesen, bemängelte Schösser am Dienstagabend bei einem Akademiegespräch des Bayerischen Landtags.
Dem FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle warf Schösser Zynismus in der aktuellen Sozialstaatsdebatte vor. "Neoliberalismus und marktradikales Denken haben sich längst nicht von selbst erledigt", warnte er weiter. Für die Gewerkschaften gehöre Mut dazu, dem Zeitgeist zu widerstehen.
Die vielfältigen Lebens- und Arbeitsmodelle von Menschen als Arbeitnehmervertretung unter einen Hut zu bekommen, sei eine gewaltige Herausforderung. "Was wir bräuchten, wäre eine zeitgemäße Fortschreibung einer Gesellschaftsutopie", sagte der Gewerkschafter.
Schösser, der 20 Jahre an der Spitze des DGB-Bezirksverbandes Bayern stand, lehnte es ab, Wachstum als Wert an sich zu begreifen. "Wachstum ist wichtig, aber wir müssen fragen, welches Wachstum." In den 80er Jahren sei die Gleichbehandlung von Beschäftigten der Normalfall gewesen. Heute würden alle Standards "auf kaltem Weg" abgebaut.
Nach seiner Ansicht hat derzeit "die Trennung von Wirtschaft und Moral ihren Höhepunkt erreicht". Gerade deshalb sei wichtig, die Mitbestimmung neu zu diskutieren. Das Aktiengesetz, das nur das Wohl der Aktionäre im Blick habe, greife zu kurz. (0411)


