Missbrauch wird Thema beim Ökumenischen Kirchentag

Meldung lang | epd - Landesdienst Bayern

Missbrauch wird Thema beim Ökumenischen Kirchentag

Wirtschaftskrise und Friedenspolitik inhaltliche Schwerpunkte

Der 2. Ökumenische Kirchentag (ÖKT) in München wird sich in zwei zentralen Veranstaltungen mit dem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in Kirche und Gesellschaft beschäftigen. Weitere Hauptthemen des Kirchentages werden die Folgen der weltweiten Finanzkrise sowie Kriege und Friedenspolitik sein, kündigten die Organisatoren bei der Programmvorstellung am Mittwoch in München an.

Eine erste Expertenrunde werde sich mit der gesamtgesellschaftliche Problematik von Missbrauch in Familien, Vereinen und Verbänden auseinandersetzen und bestimmte Situations- und Persönlichkeitsmuster herausarbeiten. In einer zweiten Runde solle die konkrete Thematik in der katholischen Kirche behandelt werden, erläuterte der katholische Kirchentagspräsident Alois Glück. Auch der Beauftragte für Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, werde an den Veranstaltungen teilnehmen. Darüber hinaus solle ein psychologisches Begleitangebot Menschen unterstützen, die anlässlich des Kirchentages über persönliche Missbrauchserfahrungen sprechen wollten, ergänzte Eckhard Nagel, evangelischer Präsident des Kirchentages.

Die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise sowie der christliche Beitrag zu einer zukunftsfähigen Kultur sollen in einem inhaltlichen Schwerpunkt diskutiert werden. Dazu gehöre zum Beispiel eine kritische Auseinandersetzung mit den Leitbildern der Konsumgesellschaft oder dem Nutzen und den Schattenseiten des Wachstums, erklärte Glück. Der ÖKT wolle Besuchern Orientierung bieten "für ihre persönliche Lebensgestaltung und für die drängenden Aufgaben unserer Zeit", so Glück weiter.

Krieg und Frieden ist ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt des ÖKT. Religiöse und ethnische Konflikte, der Zerfall von Staaten und Versorgungsprobleme bei Rohstoffen sollen untersucht werden. Der Konflikt in Afghanistan werde dabei Zentrum mehrerer Veranstaltungen sein, so Glück.

Nagel wies erneut darauf hin, dass es beim ÖKT keine gemeinsame Feier des Abendmahls geben werde. Er würde sich aber nicht wundern, wenn der 2. ÖKT als der "Kirchentag der tausend Tische" in die Geschichte einginge. Während des Kirchentages soll es auf dem Odeonsplatz eine große orthodoxe Vesper geben, an der jeder teilnehmen könne, "ohne Rücksicht auf Konfession oder Religionszugehörigkeit".

Prominente Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft werden an zahlreichen Diskussionsveranstaltungen und Bibellesungen teilnehmen, unter ihnen Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Horst Köhler sowie der ehemalige Präsident des Bundesverband der Deutschen Industrie, Hans-Olaf Henkel, und der Journalist Manuel Andrack. Darüber hinaus wird es rund 250 Musik-, Theater- und Kleinkunstveranstaltungen geben. In drei Großkonzerten sollen die A-Capella-Gruppe Wise Guys, die österreichische Sängerin Christina Stürmer und Nena auftreten.

Ob die zurückgetretene Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, ihre angekündigten Termin auf dem 2. ÖKT wahrnehmen wird, ist weiter unklar. Die Programmpunkte, für die sie in ihrer Funktion als Ratsvorsitzende angefragt war, wird der amtierende EKD-Ratschef und Präses Nikolaus Schneider übernehmen. "Für alle anderen Termine bleibt unsere Einladung an Frau Käßmann bestehen", sagte Nagel.

Der 2. Ökumenische Kirchentag findet vom 12. bis zum 16. Mai 2010 in München statt. Zu den fast 3.000 Veranstaltungen werden mehr als 100.000 Besucher erwartet.

Internet: www.oekt.de

(Artikel vom 10.03.2010)