Brückenbauer zwischen Ost und West
Brückenbauer zwischen Ost und West
Vor 1125 Jahren starb der Slawenapostel Method
Von Christian Feldmann (epd)
Es ist mehr als 1100 Jahre her, dass sie - vor allem in Ungarn und auf dem Gebiet des heutigen Tschechien und der Slowakei - gepredigt, getauft und von Christus erzählt haben. Aber sie vertraten bereits ein Modell von Mission, welches keine Zwangsbekehrungen kennt und die lebendige kulturelle Erfahrungswelt des Adressaten respektiert.
In einer Zeit, als auch viele Kirchenfürsten mit Geld und Waffen eine skrupellose Machtpolitik betrieben, ließen sie sich von den Erfordernissen der Seelsorge leiten. Für sie gab es keine nationalen und konfessionellen Grenzen: Sie waren Brückenbauer, die schon ganz früh die Fundamente zu einem gemeinsamen Haus Europa auf der Grundlage eines menschenfreundlichen Christentums legten: die Slawenapostel Kyrill und Method.
Die Brüder Konstantin und Michael wurden Anfang des neunten Jahrhunderts als Söhne einer angesehenen Familie im griechischen Thessaloniki geboren. Michael verwaltete eine Provinz an der bulgarischen Grenze, Konstantin wurde Philosophieprofessor und beriet den kaiserlichen Hof. Irgendwann zogen sie sich auf einen Mönchsberg zurück, nannten sich fortan Kyrillos und Methodios. In Bagdad und auf der Krim begannn sie zu missionieren.
862 schickte sie der Kaiser von Byzanz nach Osteuropa, zu den Slawen, denen fränkische und iroschottische Missionare bereits das Christentum gebracht hatten - allerdings ohne viel Taktgefühl und verbunden mit politischer Unterwerfung. Es herrschte Krieg mit den Franken, Terror und Rechtsbruch.
Kyrill und Method predigten auf Slawisch und verwendeten die "Heidensprache" in der Liturgie. Kyrill erfand dafür die "Glagolica", die bis heute in den Bibeln und gottesdienstlichen Büchern des Ostens fortlebt. Die fränkischen Missionare sahen freilich die Machtansprüche des westlichen Kaisertums bedroht. Sie beschwerten sich in Rom.
Die Slawenapostel konnten sich dort vor dem Papst erfolgreich rechtfertigen, doch nach seiner Rückkehr wurde Methodios - Kyrill war in Rom gestorben - von den Bischöfen von Passau und Freising gefangengenommen und drei Jahre lang eingekerkert. Erst auf Intervention des Papstes kam er wieder frei.
Als Methodios am 6. April 885 ? vor 1125 Jahren ? starb, wurden seine Schüler in die Sklaverei verkauft. Einige von ihnen konnten nach Bulgarien fliehen und der von den beiden Aposteln begründeten kyrillischen Schrift und Sprache zu literarischer Blüte verhelfen. Ihre Übertragung der heiligen Texte ins Slawische begründete eine eigenständige Kultur und schlug stabile Brücken zwischen Ost und West, indem sie den einen Glauben in Sprache und Denken des Ostens ausdrückte.
Die Ostkirche begeht das Fest des heiligen Method an seinem Todestag, dem 6. April. Katholiken, Protestanten und Anglikaner feiern ihn hingegen gemeinsam mit seinem Bruder Kyrill am 14. Februar, Kyrills Todesdatum.
Papst Johannes Paul II. ernannte die beiden Brüder 1980 zu Patronen Europas. Den Ehrentitel teilen sie sich mit Katharina von Siena, Birgitta von Schweden, der jüdischen Karmelitin Edith Stein und dem Ordensgründer Benedikt. (0611)


