Evangelische St. Pauls Kirche in Odessa wieder eingeweiht
Evangelische St. Pauls Kirche in Odessa wieder eingeweiht
Bundespräsident Köhler: "Geschichte von Fantasie und Ausdauer"
In Odessa (Ukraine) ist die evangelische St. Pauls Kirche wieder eingeweiht worden. Den Wiederaufbau der 1976 völlig ausgebrannten Kathedrale nannte Bundespräsident Horst Köhler in einem Grußwort eine "Geschichte von Fantasie, Ideenreichtum und Ausdauer".
"Es war eine richtige Entscheidung, die Kirche nicht aufzugeben", heißt es in einer Erklärung des Bundespräsidenten, die der Deutsche Botschafter in der Ukrain, Hans-Jürgen Heimsoeth, verlas. Gemeinsam mit dem "Deutschen Zentrum St. Paul" entstehe dort ein Ort der Begegnung. Die Wiedereinweihung wurde am Wochenende mit Gottesdiensten, Konzerten und Kirchenführungen gefeiert.
Den über sieben Millionen Euro teuren Wiederaufbau unterstützte maßgeblich die bayerische Landeskirche. Eine Delegation der bayerischen Kirchenleitung konnte jedoch wegen der Störungen im Flugverkehr nicht zur Einweihung anreisen.
Die Festpredigt hielt Oberkirchenrat im Ruhestand, Claus-Jürgen Roepke, vor den ukrainischen Gästen und rund 50 bayerischen Protestanten. Einige von ihnen, darunter mehrere Kirchenmusiker, waren mit dem Zug angereist. Roepke hat in seinem Ruhestand die Bauarbeiten seit 2005 vorangetrieben. Nach dem jahrzehntelangen Verbot der Kirchen in der Ukraine und der Zerstörung vieler Kirchengebäude sei es ein Wunder, dass in Odessa wieder eine lutherische Kirche entstanden sei, sagte er.
Die Kirche war 1897 für die deutsche lutherische Minderheit in Odessa gebaut worden. Damals wurden rund 270.000 Deutsche im Schwarzmeergebiet gezählt, deren Vorfahren einst durch die Einladung der russischen Zarin Katharina II. ans Schwarze Meer gekommen waren. "Auferstanden aus Ruinen" knüpfe die neu gegründete Deutsche Evangelisch-Lutherische Kirche in der Ukraine (DELKU) wieder an die alte Zeit an, so Roepke.
Die alten evangelischen Traditionen gelten als fast völlig vergessen, weshalb die DELKU als Regionalkirche neu anfangen musste. Mit Hilfe bayerischer Pfarrer und des aus Bayern stammenden Bischofs der DELKU, Uland Spahlinger, wird das kirchliche Leben wieder aufgebaut. Heute zählen den Angaben nach rund 40 Gemeinden mit nur 4.000 Evangelischen zu der wieder gegründeten Kirche. "Viele Mitglieder haben keine deutschen Wurzeln mehr. Die Kirche öffnet sich deshalb verstärkt auch den Ukrainern", so Bischof Spahlinger. (0693)


