Meiserstraße in München umbenannt

Meldung lang | epd - Landesdienst Bayern

Meiserstraße in München umbenannt

Neuer Name erinnert an Katharina von Bora

Die Meiserstraße in München - ursprünglich benannt nach dem ersten evangelischen bayerischen Landesbischof Hans Meiser (1881-1956) heißt nun offiziell Katharina-von-Bora-Straße. Wegen Meisers antisemitischer Äußerungen hatte der Stadtrat im Februar 2008 die Umbenennung beschlossen. Die neuen Straßenschilder wurden am Donnerstag montiert.

Der Umbenennung waren lange, teilweise kontroverse Debatten zur Bewertung antijüdischer Aussagen von Bischof Meiser noch vor der Machtergreifung Hitlers und seiner Haltung im Nationalsozialismus vorausgegangen. Gegen die Umbenennung hatte ein Meiser-Enkel auch geklagt. An der Straße gelegen ist ferner das Landeskirchenamt. Dort befindet sich der Amtssitz des Landesbischofs und die zentrale Verwaltung der Evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern. Kirchensprecher Michael Mädler sagte dem epd, die Landeskirche nehme den Vollzug der Umbenennung zur Kenntnis.

Mit der Umbenennung wird künftig an Katharina von Bora (1499 -1552) erinnert, die die Ehefrau des Kirchenreformators Martin Luthers (1483-1546) war. Die alte Straßenbezeichnung bleibt jedoch vorerst noch erhalten. Der bisherige Name "Meiserstraße" wurde mit einem roten Streifen überklebt. In etwa zwei Jahren sollen sie dann abgenommen werden, wie ein Sprecher des Kommunalreferates auf epd-Anfrage mitteilte. Auf der rund 500 Meter langen Straße wurden insgesamt zehn neue Straßenschilder angebracht.

Meiser war von 1933 bis 1955 evangelischer Landesbischof in Bayern. Nach Ansicht von Kirchenvertretern und Kirchenjuristen war Meiser weder ein Nationalsozialist noch Widerstandskampfer. Auch habe er sich damals um die Landeskirche verdient gemacht.

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hatte im März die Entscheidung der Landeshauptstadt München bestätigt, die Meiserstraße umzubenennen. Die Umbenennung habe man nach Zustellung der Urteilsbegründung in diesem Monat so schnell wie möglich vollzogen, erläuterte der Sprecher des Kommunalreferates. Die Anbringung der neuen Schilder koste rund 2.300 Euro. (1013/b100540; b100541)

(Artikel vom 27.05.2010)