Berühmter Friedensengel schwebt zur Erde - Evangelischer Kanzelengel aus Augsburg geht in katholische Ausstellung
Berühmter Friedensengel schwebt zur Erde - Evangelischer Kanzelengel aus Augsburg geht in katholische Ausstellung
(mit Bild)
Ohne fremde Hilfe könnte der Engel mit der Posaune von dem Kanzeldeckel in der Annakirche in Augsburg nie herabsteigen. Am Mittwoch aber schwebte die Skulptur mit Hilfe von zwei Restauratoren erstmals seit langer Zeit zur Erde herunter. An einer Galgenkonstruktion aufgehängt, in dicke Schaumstoffpolster eingepackt, landete die goldene Figur sicher und ohne Kratzer an den Flügeln auf dem Kirchenboden, begleitet vom restauratorischen Fachbauleiter Johannes Baur (München) und der Restauratorin Regina Bauer-Empel (Freising).
Das Werk des gelernten Elfenbeinschnitzers Johann Ulrich Hurdter aus dem Jahr 1683 nimmt nun Carmen Roll vom Diözesanmuseum Freising in ihre Obhut. Der sogenannte "Jubelengel" wird dort ab 6. November einer der Stars der Ausstellung "Engel - Mittler zwischen Himmel und Erde" sein. Für die Kunsthistorikerin Roll ist der Augsburger Friedensengel ein "typischer protestantischer Engel". In evangelischen Kirchen finde man Engel nicht zu rein dekorativen Zwecken, sondern immer in einen Kontext eingebunden, erklärte sie.
Der Friedensengel aus der St. Annakirche in Augsburg hat Berühmtheit erlangt als Motiv einer millionenfach verschickten 55-Cent-Briefmarke aus dem Jahr 2005. Die Marke erschien zum Gedenken an den Augsburger Religionsfrieden vor 450 Jahren. Der nur etwa ein Meter hohe Engel zeigt dem Betrachter mit der linken Hand die Schriftrollen der Offenbarung mit den sieben Siegeln, mit der rechten hält er sich eine Posaune an die Lippen.
"St. Anna verdankt ihre Kanzel und den dazugehörigen Engel 211 Stiftern, die gemeinsam im Jahr 1682 für die Kunstwerke der Kirche spendeten", so Irmgard Hoffmann, Öffentlichkeitsreferentin des evangelischen Dekanats Augsburg. "Wir trennen uns von unserem Engel nur schwer", sagte Stadtdekanin Susanne Kasch, die auch Pfarrerin in St. Anna ist.
Internet: www.dioezesanmuseum-freising.de (1356b100940; b100941)


