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Veröffentlicht auf EPV - Evangelischer Presseverband für Bayern (http://www.epv.de)

Kirchengemeinden sollen mehr für Arme tun - Augsburger Diakonie-Vorstand kritisiert "Almosen-Gesellschaft" (epd-Gespräch)

Kirchengemeinden sollen mehr für Arme tun - Augsburger Diakonie-Vorstand kritisiert "Almosen-Gesellschaft" (epd-Gespräch)

Kirchengemeinden müssen nach Ansicht des Vorstands des Diakonischen Werks Augsburg, Pfarrer Fritz Graßmann, "das Thema Armut entdecken." In einem epd-Gespräch sagte Graßmann am Mittwoch, "Erneuerung der Kirche geht nicht ohne eine Erneuerung der diakonischen Seite der Kirche". Evangelische Gemeinden hätten sich lange Zeit auf die Mittelschicht konzentriert, gefällige Angebote gemacht und seien unter sich geblieben, kritisiert Graßmann. Um Menschen zu helfen, die wenig Hoffnung haben oder arm an Beziehungen sind, müssten die Kirchengemeinden "noch besser hinschauen".

Die Diakonie muss nach Graßmanns Meinung in Zukunft deutlich machen, dass arme und hilfesuchende Menschen nicht in eine "Almosen-Gesellschaft" abrutschen dürfen. Ein armer Mensch brauche Beziehungen und andere Lebensbedingungen, damit er nicht in Armut leben müsse. Der Pfarrer bemängelte: "Heute müssen sich die Schwachen rechtfertigen, warum sie nicht aus eigener Kraft ihr Leben auf die Reihe kriegen."

Graßmann hat vor zwei Monaten die theologische Leitung des Diakonischen Werks Augsburg übernommen, nachdem sein Vorgänger, Pfarrer Reinhard Wemhöner, im November vergangenen Jahres zurückgetreten war. Vorausgegangen waren Turbulenzen nach der Kündigung zweier Altenheimleiter und Differenzen innerhalb des dreiköpfigen Vorstands. Der 46-jährige Graßmann sieht die Augsburger Diakonie mit ihren 650 Mitarbeitern in rund 50 Einrichtungen inzwischen wieder auf einem guten Weg. "Das Vertrauen ist gewachsen und die Leute haben das Gefühl, dass man auf Augenhöhe miteinander reden kann", sagte er. (1475)

(Artikel vom 11.08.2010)

URL:
http://www.epv.de/node/6447