Zur Erinnerung an die fleißigen Mütter
Privatkapellen liegen im Trend und sind bei Hochzeitspaaren immer beliebter
Die "Traube" im Schwarzwaldort Baiersbronn-Tonbach ist als Gourmettempel bekannt. Dass es in dem Nobelhotel auch einen anderen Tempel gibt, wissen die wenigstens: die Franziska-Kapelle als Ort der Besinnung. Heute liegen solche Privatkapellen voll im Trend. Immer mehr Paare wählen den intimen Rahmen eines solchen sakralen Raums. Eine Reihe von Beispielen gibt es in Süddeutschland und Bayern.
Entstanden sind diese Hauskapellen nicht aus Geschäftsinteresse. In früheren Jahrhunderten bauten Adlige solche Orte der Stille in ihren Schlössern aus Dankbarkeit für eine positive Wendung im Leben oder als Widmung für Heilige. Diese Tradition schwingt auch in den modernen Privatkapellen mit und trägt zu ihrem Reiz bei. Auf jeden Fall spielt Frömmigkeit eine Rolle, auch in der "Traube" Tonbach. Treibende Kraft in dem florierenden gastronomischen Familienbetrieb war Franziska Finkbeiner, die mit ihrem Mann Willi den Gastronomiebetrieb aufgebaut und geführt hat. 1993 trat Willi Finkbeiner ab und übergab die Hotelleitung an seinen Neffen Heiner Finkbeiner und dessen Frau Renate.
Die Familie Finkbeiner sei sehr gläubig gewesen, erinnern sich die Älteren im Dorf an die Nachkriegszeit. Ein langgehegter Wunsch von Willi Finkbeiner sei es gewesen, die Kapelle zu bauen, sagt sein Sohn. Aus Dankbarkeit habe er sie nach seiner Mutter benannt. Im Jahr 1987 wurde die Franziska-Kapelle geweiht. Damit kann man sich dort evangelisch oder katholisch trauen lassen. Der Raum ist nicht groß. Trotz nüchterner Ausstattung mit Holzskulpturen und einer kleinen Orgel wirkt er heimelig. Mildes Licht fällt herein.
Die Kapelle ist bei den Gästen beliebt, sagt Matthias Finkbeiner. Viele Taufen, zuletzt die seiner Nichte, und Goldene Hochzeiten werden hier gefeiert. Vor kurzem hat sich ein Paar spontan trauen lassen. Trauzeugen waren Hotelangestellte. Auch als Rückzugsraum nutzen die Gäste die Kapelle inmitten der Zimmerfluchten.
Bei Hochzeitspaaren steht heute die Trauung in einer Privatkapelle hoch im Kurs. Einen ganz besonderen Wunsch hat sich Meinrad Schmiederer erfüllt. Er hat das ebenfalls im Schwarzwald gelegene Hotel Dollenberg in St. Peterstal-Griesbach von der Familienpension zum Nobelhotel gemacht. "Ich wollte schon immer in meiner eigenen Kapelle heiraten", erzählt er. Deshalb hat er neben dem Hotel eine Parkanlage mit einer Hochzeitskapelle für 60 Personen gebaut, in der er im Juli 2006 heiratete. Sie ist nach der Mutter Anna benannt und der Heiligen Anna geweiht.
Ihre spätgotische Hauskapelle haben die Besitzer von Schloss Amerang im Landkreis Rosenheim 1997 restauriert. Als erster hat hier der Münchner Gastronom Michael Käfer 1998 geheiratet und in romantischem Ambiente gefeiert. In Österreich offeriert das Hotel Klosterbräu in Seefeld in Tirol Hochzeiten in der jahrhundertealten Hauskapelle.
Zumeist sind nur die Privatkapellen in Hotels oder Schlössern bekannt. Es gibt aber noch zahlreiche andere Hauskapellen. Über diese ist wenig bekannt, wie eine Nachfrage bei evangelischen Landeskirchen ergab. Doch das Interesse daran ist groß. Wer eine Privatkapelle kennt oder im Urlaub auf eine stößt, wird gebeten, dies unter der E-Mail mitzuteilen: kapelleprivat@googlemail.com. (1470)