Verhängnisvolle „Bayreuther Religionslehre“
Verhängnisvolle "Bayreuther Religionslehre"
Ausstellung „Jüdisches Bayreuth“ im Historischen Museum der Stadt eröffnet
Auf die verhängnisvolle antisemitische Stimmungsmache des sogenannten "Bayreuther Kreises" hat die Leiterin des Historischen Museums der Stadt Bayreuth, Sylvia Habermann, hingewiesen. Bei der Eröffnung der Ausstellung "Jüdisches Bayreuth" sagte die Stadthistorikerin am Mittwochabend, bereits Jahrzehnte vor Hitlers erstem Bayreuth-Besuch sei im Umfeld von Wahnfried ein übler Antisemitismus gehegt und propagiert worden.
Sprachrohr des Bayreuther Kreises waren Habermann zufolge die "Bayreuther Blätter". Ihr Herausgeber, der Schriftsteller und Wagnerfreund Hans von Wollzogen (1848 - 1938), habe sogar wörtlich von einer "Bayreuther Religionslehre" gesprochen. Schon ab etwa 1890 seien die Leser im nationalistisch-völkischen Sinne indoktriniert worden: "Das sogenannte jüdische Element- was auch immer damit gemeint war- wurde als zersetzendes Element in Kultur und Gesellschaft hingestellt", so Habermann.
Die "Bayreuther Blätter" seien eine abstoßende Lektüre, ihre aktivsten Schreiber geistige Brunnenvergifter. An die Wagnerforschung appellierte die Museumsleiterin, sich einmal näher mit dieser Thematik zu befassen. Dagegen seien die engen Beziehungen der Festspielleiterin Winifred Wagner zu Hitler bereits oft genug geschildert worden, so dass hier wirklich keine neuen Erkenntnisse zu erwarten seien.
Die Ausstellung "Jüdisches Bayreuth" wurde aus Anlass des 250-Jährigen Jubiläums der Bayreuther Synagoge realisiert, als "erstes Projekt in einer offiziellen Zusammenarbeit zwischen der Stadt und der Israelitischen Kultusgemeinde", wie Habermann hervorhob. In der Ausstellung werden viele Facetten jüdischen Lebens aus nahezu sieben Jahrhunderten beleuchtet. Die Ausstellung ist noch bis 24. Oktober geöffnet. (1480)


