Bestürzung nach Rücktritt des Geistlichen Leiters des ifp
Bestürzung nach Rücktritt des Geistlichen Leiters des ifp
Der Rücktritt des Geistlichen Leiters des katholischen Instituts zur Förderung des publizistischen Nachwuchses (ifp), Michael Broch, hat unter katholischen Publizisten Bestürzung ausgelöst. Bernhard Hermann, Hörfunkdirektor des SWR und Vorsitzender des Aufsichtsrats des in München ansässigen ifp, sagte dem epd am Dienstag, sein "Vertrauensvorrat" gegenüber der Bischofskonferenz sei verbraucht. Er habe daher seine Funktion im Aufsichtsrat des ifp ebenso niedergelegt wie die als Berater in der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz.
Hermann sagte dem epd, wenn sich die Bischöfe in ihrer Mehrheit "als Repräsentanten eines gnadenlosen Systems gerieren, will ich damit als katholischer Christ nichts mehr zu tun haben". Broch, der seit März Geistlicher Direktor des ifp war, hatte im Mai in einem Interview die "Bunkermentalität" und "antiquierte Sexualmoral" der katholischen Kirche kritisiert. Für diese Äußerungen hatte er sich später entschuldigt. Dennoch sollen einige Bischöfe ihn zum Rücktritt gedrängt haben, den er am Freitag bekanntgab.
Der katholische Medienbischof Gebhard Fürst bezeichnete den "Vorgang, der zum Rücktritt Brochs geführt" habe, als "schmerzlich". Er bedauere dies sehr, teilte er am Montag mit. Allerdings habe er "auch keine andere Möglichkeit gesehen, nachdem Broch das Vertrauen der deutschen Bischöfe nicht mehr gehabt habe".
Broch könne weiter als Hörfunkpfarrer der Diözese Rottenburg-Stuttgart tätig sein, betonte Fürst. Er habe sich über viele Jahre als "Medienfachmann von hoher Kompetenz ausgewiesen". Broch (67) ist seit 1997 Hörfunk-Pfarrer beim SWR, seit 2009 gehört er zum katholischen Sprecherteam des "Wort zum Sonntag" der ARD.
Der Aufsichtsrat des ifp hatte versucht, die Ablösung Brochs zu verhindern. In einem Brief an die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz hatten sich die Mitglieder des Aufsichtsrats im Juli dafür ausgesprochen, dass Broch im Amt bleiben solle. Nach der öffentlichen Entschuldigung von Broch könnten sie nicht erkennen, dass das Ansehen des ifp Schaden gelitten habe, schrieben sie in dem Brief, der dem epd vorliegt.
Die Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP) bezeichnete es als "fatales Signal für die Gesprächskultur in der Kirche", wenn eine offen geäußerte Kritik zu solchen Konsequenzen führe. Auch der Direktor einer von der Deutschen Bischofskonferenz getragenen Einrichtung müsse sein Recht auf freie Meinungsäußerung wahrnehmen können, erklärte die GKP.
Die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Karin Kortmann, sagte der "Frankfurter Rundschau", der Fall zeige, "wie schwer sich die Amtskirche mit Kritik aus den eigenen Reihen tut". Die Bischöfe sollten nun wenigstens "die Größe haben, sich inhaltlich mit der Kritik von Pfarrer Broch auseinanderzusetzen". (1495)


