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Veröffentlicht auf EPV - Evangelischer Presseverband für Bayern (http://www.epv.de)

"Wir wollten keinen Kriegwald"

"Wir wollten keinen Kriegwald"

Trauerwald-Projekt bei Kempten ist an der Gegenwehr von Anwohnern gescheitert

Von Jutta Olschewski (epd)

Betrübt nimmt die alt-katholische Kirchengemeinde Kempten von ihren Plänen Abschied, einen "Trauerwald" in Weitnau bei Kempten zu betreiben. 70 Männer und Frauen hatten sich bereits für einen Bestattungsplatz in dem kircheneigenen Waldstück registrieren lassen, wie der erste Vorsitzende des Kirchenvorstandes Hans Bauer am Mittwoch dem epd sagte. Der Marktgemeinderat von Weitnau hat das Projekt vor kurzem abgelehnt, das er noch im Januar einstimmig begrüßt hatte. Bürgermeister Alexander Streicher sagte dem epd: "Ich bedauere das zutiefst und die Gemeinderäte auch alle."

Sowohl die zuständige Naturschutzbehörde als auch die Jagdbehörde hätten dem Vorhaben nicht zugestimmt, berichtet Streicher. Man befürchtete mehr Wildverbiss und freilaufende Hunde. Aber der Bürgermeister räumt ein, dass es die Anwohner der kleinen Straße zum Wald waren, die den "Trauerwald" eigentlich zu Fall gebracht hätten.

Die massive Gegenwehr hat auch Streicher überrascht: "Mit einer solchen Vehemenz haben wir nicht gerechnet". Die betroffenen Anlieger befürchteten einen "Trauertourismus" in der Straße und sammelten 400 Unterschriften. Als Anwohner sogar gedroht hätten, sie würden während Bestattungen Holz sägen und Gülle fahren, so Streicher, "wollten wir das Projekt nicht mit Gewalt durchziehen." "Wir wollten einen Friedwald und keinen Kriegwald".

Kirchenvorsteher Bauer, sieht die Sache ähnlich. Für eine Kirche wäre es nicht der richtige Weg, alle rechtlichen Mittel auszuschöpfen, sagte er. "Das hätte zu Auseinandersetzungen geführt, die den Traueranliegen zuwiderlaufen." Bauer ist derzeit unermüdlich auf der Suche nach einem neuen geeigneten Waldstück. "Das ist nicht so einfach, denn ein solcher Wald muss Atmosphäre haben."

Der Mischwald aus Weißtanne, Fichte und Buche, idyllisch gelegen an einer Lichtung, die den Namen "Himmelswiese" trägt, wäre der ideale Platz für die letzte Ruhe gewesen. Einer der Interessenten an dem Weitnauer "Trauerwald" sei inzwischen gestorben, erzählt Bauer. Die Angehörigen hätten seine Urne aufgehoben, bis die Entscheidung um den "Trauerwald" gefallen ist. Nun müssten sie eine andere Grabstätte für ihren Toten finden.

Betreiber des Naturfriedhofs wollte die Firma "Trauerwald" werden, die bereits Naturfriedhöfe in Bayerisch Eisenstein und Spiegelau verwaltet. An diesen Standorten habe die Bevölkerung die Friedhöfe "sehr gut angenommen", sagte Geschäftsführer Manuel Kasberger auf Nachfrage. Mit den Jägern seien Absprachen getroffen worden, dass sie zu bestimmten Zeiten in den Wald dürften. Kasberger und sein Partner Anton Aschenbrenner sind weiter an einem "Trauerwald" im Allgäu interessiert: "Das ist doch so eine wunderschöne Gegend." (1497)

(Artikel vom 18.08.2010)

URL:
http://www.epv.de/node/6468