150 Jahre Martin-Luther-Verein in Bayern

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150 Jahre Martin-Luther-Verein in Bayern

Vom "Gotteskasten für bedrängte Glaubensgenossen" zum Brasilien-Hilfswerk - (mit Bild)

Der Martin-Luther-Verein in Bayern wird 150 Jahre alt. Das Diaspora-Hilfswerk, das vor allem evangelische Gemeinden und Sozialeinrichtungen in Brasilien unterstützt, wurde am 29. August 1860 unter dem Namen "Lutherischer Gotteskasten" als Solidaritätsfonds für "bedrängte Glaubensgenossen" von Pfarrern und Bürgern im fränkischen Hersbruck gegründet.

Gefeiert wird das Jubiläum am 12. September mit einem Gottesdienst in der Hersbrucker Stadtkirche und am letzten Oktoberwochenende mit Festtagen in Neuendettelsau, dem heutigen Sitz des Vereins.

Im vergangenen Jahr hat der Martin-Luther-Verein knapp 350.000 Euro Spendengelder gesammelt. Rund 90 Prozent flossen in Hilfsprojekte in Brasilien, kleinere Teile in die Ukraine und nach Südafrika. Mit Brasilien ist der Verein eng verbunden, seit er im Jahr 1897 den aus der Wülzburg bei Weißenburg stammenden Pfarrer Otto Kuhr zur Betreuung deutscher Auswanderer in das lateinamerikanische Land schickte.

Zahlreiche weitere in Neuendettelsau ausgebildete "Gotteskasten-Pastoren" folgten. Der Zusammenschluss ihrer Gemeinden, die so genannte "Gotteskasten-Synode" wurde zu einem Grundpfeiler der 1968 gegründeten Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien mit heute 700.000 Mitgliedern.

Zu den aktuellen Förderprojekten des Vereins, der den antiquierten Namen "Gotteskasten" schon 1932 in Martin-Luther-Verein änderte, zählt das Programm "Vida Plena" (Erfülltes Leben) der Gemeinde Araripina im armen Nordosten Brasiliens. Es bietet schulische Nachhilfe und Kurse in Gesundheitsfürsorge und Gemüseanbau. Zudem wird eine Kleinbauernfamilie mit elf Kindern, die sonst in einer städtischen Armensiedlung landen würde, beim Aufbau einer Farm unterstützt.

Wem es Gelder zukommen lässt, entscheidet das Diasporawerk unabhängig, aber in Abstimmung mit der brasilianischen Kirchenleitung in Porto Alegre und dem Lateinamerikabeauftragten der bayerischen Landeskirche. Doppelförderung soll so ausgeschlossen werden. "Wir wollen nicht einzelne privilegieren und andere in die Röhre schauen lassen", sagt Geschäftsführer Gerhard Lachner.

Bei allen Projekten gehe es darum, Wert und Würde des Menschen zu stärken, wie sie im christlichen Menschenbild verankert seien, erklärt Lachner. "Dies gilt besonders für die Kinder aus den Favelas, wo es jede Nacht knallt." Kindern, denen es noch schlechter geht, kam heuer der Spendenaufruf des Martin-Luther-Vereins an die bayerischen Konfirmanden des Jahrgangs 2010 zugute: Sie zweigten von ihrem Konfirmandengeld rund 30.000 Euro für Aids-Waisen in Südafrika ab. (1541/b101100)

(Artikel vom 27.08.2010)