"Tag der Courage": Kirchen rufen zu Zivilcourage auf

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"Tag der Courage": Kirchen rufen zu Zivilcourage auf

Herrmann: Zivilcourage ist Grundlage der Demokratie

Rund 200 Menschen haben nach Polizeiangaben zum "Tag der Courage" im Münchner Olympiapark einen ökumenischen Gottesdienst gefeiert. Der Beauftragte für Polizeiseelsorge der bayerischen evangelischen Landeskirche, Matthias Herling, appellierte an die Besucher, Zivilcourage zu zeigen.

"Unser Leben wäre friedvoller, es gäbe weniger Leid und Not, wenn wir im Alltag couragierter handeln würden", sagte Herling in seiner Predigt. Dabei sei Zivilcourage mehr als das Abwenden von Notlagen oder das Vereiteln von Straftaten. Auch wer sich in der Schule oder am Stammtisch dem Gruppenzwang widersetze und Außenseiter in Schutz nehme, handle mutig und beherzt, so Herling.

In akuten Notlagen sei es im Zweifelsfall sinnvoll, sich darauf zu beschränken, Alarm zu schlagen und Hilfe herbeizuholen. Dies helfe schon unendlich viel mehr als wegzuschauen und weiterzugehen, so der Polizeiseelsorger. Den Gottesdienst gestaltete Herling gemeinsam mit dem katholischen Polizeidekan Andreas Simbeck.

Münchens Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer erklärte im Anschluss an den Gottesdienst, dass die Bürger Gewalt jedweder Art nicht tolerieren dürften. "Ich wünsche mir, dass Jeder von uns darauf vertrauen kann, dass es Bürger in unserer Nähe gibt, die bereit sind, zu helfen und couragiert zu handeln."

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) verlieh unter dem Motto "Courage bringt Sicherheit" die Medaille für Verdienste um die Innere Sicherheit an drei Bürger. "Wir wollen die Bereitschaft möglichst vieler Mitbürger stärken, in kritischen Situationen Zivilcourge zu zeigen und anderen Menschen zu helfen", erklärte der Minister. Zivilcourage sei eine wichtige Grundlage der freiheitlich demokratischen Gesellschaft.

Anschließend diskutierte Herrmann mit Vertretern der Polizei, der Stadt und der Dominik-Brunner-Stiftung über das Thema Zivilcourage im Alltag. Josef Monatzeder (Die Grünen), Münchens dritter Bürgermeister, wies darauf hin, dass Zivilcourage bei Integration anfange. Die Demokratiereife einer Gesellschaft zeige sich besonders klar in ihrem Umgang mit Minderheiten und Menschen, die anders als der "Mainstream" seien, so Monatzeder.

Der "Tag der Courage" wurde vom Bündnis "Münchner Courage - Initiative gegen Gewalt" veranstaltet, das nach dem gewaltsamen Tod von Dominik Brunner am 12. September 2009 ins Leben gerufen worden war. Zu dem Bündnis gehören neben den Kirchen die Polizei, die Dominik-Brunner-Stiftung, der FC Bayern München, das Bayerische Innenministerium und die Landeshauptstadt München. Mit Aktionen wie dem "Tag der Courage" sollen Bürger motiviert werden, bedrohten Mitmenschen im Alltag beizustehen.

Im Prozess um den Tod Brunners will das Landgericht München sein Urteil am 6. September verkünden. Der zur Tatzeit 18-jährige Markus S. und der damals 17-jährige Sebastian L. sind angeklagt, den 50-jährigen Geschäftsmann Dominik Brunner am Münchner S-Bahnhof Solln totgeprügelt zu haben. Der Manager hatte sich schützend vor vier Jugendliche gestellt, die von den beiden Angeklagten angegriffen worden waren.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem mutmaßlichen Haupttäter S. Mord vor und fordert zehn Jahre Jugendstrafe. L. soll wegen Körperverletzung mit Todesfolge acht Jahre Jugendstrafe erhalten. Die Verteidiger sehen keine Mordabsicht und fordern eine Jugendstrafe von unter sieben Jahren für Markus S. und eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten für Sebastian L. (1547)

(Artikel vom 29.08.2010)