Transplantationsmediziner Nagel gegen Widerspruchsregel bei Organspende
Transplantationsmediziner Nagel gegen Widerspruchsregel bei Organspende
(epd-Gespräch)
Der Transplantationsmediziner Eckhard Nagel sieht in der sogenannten Widerspruchslösung kein hilfreiches Instrument, um mehr Organspender zu gewinnen. Dadurch werde das Problembewusstsein in der Bevölkerung nicht erhöht, sagte der geschäftsführende Direktor des Instituts für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften an der Universität Bayreuth in einem epd-Gespräch. Nagel ist Mitglied des Deutschen Ethikrates und hat nach Medienberichten auch SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier vor dessen Nierenspende an seine Frau Elke Büdenbender beraten.
Bislang dürfen in Deutschland nach dem Hirntod eines Patienten Organe nur dann entnommen werden, wenn der Gestorbene zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt hat. Dagegen gilt in neun EU-Ländern eine Widerspruchsregelung, nach der Organe nur dann nicht entnommen dürfen, wenn zu Lebzeiten widersprochen wurde.
Nagel sprach sich dafür aus, eine Organspende-Erklärung beim Eintritt in die Krankenkasse zur Pflicht machen. Jeder Mensch müsse eine eigenverantwortliche Entscheidung darüber treffen, ob er im Todesfall bereit sei, seine Organe zu spenden. Auf der Krankenkassenkarte könnte es etwa entsprechende Felder zum Ankreuzen geben, sagte der evangelische Präsident des 2. Ökumenischen Kirchentages in diesem Jahr in München.
Nagel verurteilte die "nonchalante Art, mit der die meisten sich das Recht herausnehmen, sich mit diesem Thema nicht zu befassen". Das sei eine Ablehnung der Solidarität mit denen, die auf ein Spenderorgan warteten.
Darüber hinaus ist nach Einschätzung des Experten auch eine verbesserte Organisation der Transplantationsmedizin dringend notwendig. Ärzte müssten zur Weiterbildung auf dem Gebiet verpflichtet werden. In großen Kliniken sollte es Transplantationsbeauftragte geben.
Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation warten in der Bundesrepublik derzeit rund 12.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Schätzungsweise tausend Patienten sterben jedes Jahr, weil kein geeignetes Organ zur Verfügung steht.


