Jeder Vierte in Bayern bald mit Migrationshintergrund
Innenminister Herrmann: "Kein Bedarf an weiterer Zuwanderung"
In zehn Jahren werden in Bayern rund drei Millionen Menschen fremder Herkunft sein. Dann werde jeder Vierte im Freistaat einen Migrationshintergrund haben, erläuterten die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) vor Journalisten in München. Der ausländische Anteil an der Gesamtbevölkerung werde bis dahin von derzeit 19 Prozent auf rund 23 Prozent steigen. Die Prognosen beziehen sich auf eine "Vorausberechnung der Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Bayern bis 2020" des Bayerischen Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung. Dagegen wird die Zahl der Menschen ohne Migrationshintergrund um knapp vier Prozent auf 9,7 Millionen zurückgehen.
Angesichts dieser Entwicklung bestehe "keinerlei Bedarf an weiterer Zuwanderung", sagte Herrmann. Vielmehr müsse die Integration der ohnehin steigenden Zahl von Migranten im Vordergrund stehen. Es dürfe nicht verschwiegen werden, dass es Gruppen gebe, die aufgrund ihres kulturellen und religiösen Hintergrunds erhebliche Probleme hätten, sich in Deutschland zu integrieren. Er sehe den Islam zwar nicht grundsätzlich als Integrationshindernis. Unter den nicht erfolgreich Integrierten seien jedoch besonders viele Muslime.
Der Innenminister forderte die Migranten auf, Deutsch zu lernen. Probleme gäbe es hierbei vor allem bei denjenigen, die in den letzten Jahren als Asylbewerber oder Flüchtlinge nach Deutschland gekommen seien. Auch Imame sollten in Zukunft Deutschkenntnisse vorweisen können, um in den Gemeinden kein falsches Verständnis von Religion zu predigen. Ferner rechnet Herrmann damit, dass künftig die Kriminalität unter jüngeren Migranten zunimmt. Darauf müsse die Sicherheitspolitik bei der Prävention und Strafverfolgung reagieren.
Laut Sozialministerin Haderthauer gibt es durchaus Beispiele für gelungene Integration. In Bayern lebten hervorragend qualifizierte Migranten, die zu Leistungsträgern und Leistungsträgerinnen der Gesellschaft geworden seien. Sie wünsche sich, "dass wir diese Mitbürger als Vorbilder stärker wahrnehmen und herausstellen, um einen Ansporn für eine bessere Integration zu erzeugen und mit Vorurteilen aufzuräumen."
Die FDP-Europaabgeordnete Nadja Hirsch warf Herrmann und Haderthauer unterdessen vor, Ängste vor Zuwanderung zu schüren. Mit der Aussage, dass kein Bedarf an weiterer Zuwanderung bestehe, liefen die CSU-Politiker an der Realität vorbei und spielten Arbeitslose gegen Zuwanderer aus, erklärte die bayerische Abgeordnete und integrationspolitische Sprecherin der Liberalen im Europäischen Parlament. Stattdessen forderte sie eine gesteuerte Zuwanderung, bei der gezielt ausländische Fachkräfte angeworben werden sollen.
Die asyl- und migrationspolitische Sprecherin der bayerischen Grünen, Renate Ackermann, kritisierte die "reflexhafte Abwehrhaltung" des Innenministers gegenüber Migranten. Mit der Annahme, dass künftig Menschen mit Migrationshintergrund prozentual noch stärker an der Jugendkriminalität beteiligt seien, spreche Herrmann der Integration von vorneherein jeglichen Erfolg ab, erklärte Ackermann.
Die Definition "Menschen mit Migrationshintergrund" erfasst unterschiedliche Gruppen. Das Statistische Bundesamt zählt dazu "alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderte, alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborene mit zumindest einem zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil."
Die Zunahme dieser Menschen an der Gesamtbevölkerung erklärt sich laut des Berichtes mit der natürlichen Bevölkerungsbewegung. Das größte Wachstum von 31 Prozent wird prognostiziert für Menschen mit Ursprung in der früheren Sowjetunion. Mit 16 sowie 14 Prozent folgen Männer und Frauen, deren Herkunft im ehemaligen Jugoslawien und der Türkei liegt. (1583)