Erzbischof Marx: Sozialstaat ist keine Gefahr für die Wirtschaft
Erzbischof Marx: Sozialstaat ist keine Gefahr für die Wirtschaft
Der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, hat dazu aufgerufen, die soziale Marktwirtschaft weiterzuentwickeln und krisenfest zu machen. "Nur ein Wirtschaftssystem mit funktionierenden sozialen Sicherungen kann langfristig ökonomisch erfolgreich sein", sagte Marx auf der Fachmesse ConSozial in Nürnberg. Soziale Standards seien keine Gefahr für den deutschen Wirtschaftsstandort, sondern müssten vielmehr als "Leitplanken" Beispiel sein für das europäische Staatensystem.
Der Theologe warnte vor der Annahme, die Wirtschafts- und Finanzkrise sei bereits ausgestanden. "Es besteht die Gefahr einer allgemeinen Vergesslichkeit", sagte der Erzbischof. Deshalb müsse nicht nur die Erinnerung daran wachgehalten werden, wer die Krise ausgelöst habe, sondern auch die Frage diskutiert werden, "was wir ändern müssen, um künftig noch besser gerüstet zu sein". Der Bundesregierung warf er vor, die Verursacher der Wirtschaftskrise ungeschoren zu lassen und stattdessen die große Masse der Bürger mit den Kosten des Schuldenabbaus zu belasten. "Diese außerordentliche Ungerechtigkeit wird wachgehalten", sagte Marx.
Zwar sei der Aufschwung erkennbar und es entstünden bereits neue Jobs, doch dürften diese positiven Signale nicht falsch gedeutet werden. Marx forderte, die Eckpunkte der sozialen Marktwirtschaft jetzt neu zu justieren: "Die soziale Marktwirtschaft ist kein Auslaufmodell." (1985)


