Knobloch: Hoffnungsvolle Zukunft für Juden in Deutschland
Knobloch: Hoffnungsvolle Zukunft für Juden in Deutschland
Die Juden in Deutschland können nach den Worten ihrer ehemaligen Spitzenrepräsentantin Charlotte Knobloch "sehr hoffnungsvoll" in die Zukunft blicken. "Heute sind wir so nah wie nie zuvor, ein normaler Teil der deutschen Gesellschaft zu sein", sagte die frühere Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland am Sonntagabend in Duisburg.
Allerdings fühlten sich zahlreiche Juden in Deutschland "allen Beteuerungen zum Trotz immer noch fremd". Von Normalität und echter Freiheit seien viele noch weit entfernt, so Knobloch, die seit 1985 Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern ist.
In einer Kanzelrede verwies sie auf aktuelle Umfragen, nach denen rund 20 Prozent der Deutschen judenfeindliche Einstellungen hätten. Vorurteile könnten noch toleriert werden. Nicht zu akzeptieren seien dagegen Ressentiments gegenüber Juden, weil sie an deren Existenz gingen. "Antisemiten nehmen uns Juden übel, dass wir da sind", sagte Knobloch. "Und sie werden uns weiter kritisieren - entweder wegen unserer Angepasstheit oder wegen unserer Abgrenzung."
Mit Blick auf den Holocaust mahnte die Münchnerin, nicht in der Vergangenheit steckenzubleiben. "Schuld, Scham und Schande sterben mit den Tätern aus, was bleibt, ist die Verantwortung", sagte Knobloch. Juden und Nichtjuden sollten sich "frei von Berührungsängsten und Vorurteilen ganz neu kennenlernen". Behutsam und zielstrebig sollten beide Seiten die kulturelle Nähe suchen und "weltoffen und tolerant die Neugier auf den jeweils anderen ausleben", riet die frühere Zentralratspräsidentin. Dieter Graumann hatte Knobloch Ende November an der Spitze der Dachorganisation der jüdischen Gemeinschaft abgelöst. (2274)


