Das aktuelle Stichwort: Jüdische Friedhöfe in Bayern
Das aktuelle Stichwort: Jüdische Friedhöfe in Bayern
Anders als etwa im Christentum sind Friedhöfe im jüdischen Glauben heilige Orte. Während es auf kommunalen oder christlichen Friedhöfen in Deutschland durchaus üblich ist, dass ein Grab nach Ablauf der Belegzeit wieder für neue Beerdigungen verwendet wird, sind die Grabstätten auf jüdischen Friedhöfen auf Ewigkeit angelegt. Im Hebräischen heißt Friedhof "Beth Olamin", was ins Deutsche übersetzt in etwa "Haus der Ewigkeit" bedeutet.
Aus diesem Grund dürfen auch weder die Grabsteine entfernt, noch der Platz neu belegt oder anderweitig gestört werden. Bei Raumnot jedoch können ältere Gräber nach einer Aufschüttung des Friedhofs in Tieflage angeordnet werden. Bereits vorhandene Grabmale werden auf der neuen Oberfläche mit aufgestellt. Dies führt vor allem auf alten Friedhöfen dazu, dass die Grabsteine oft sehr gedrängt stehen.
In Bayern existieren rund 190 jüdische Friedhöfe, die höchste regionale Friedhofdichte gibt es mit 46 Friedhöfen in Unterfranken. Ein Großteil dieser Friedhöfe ist heute ? wegen der Gräueltaten der Nationalsozialisten und der damit verbundenen Auslöschung der meisten jüdischen Gemeinden in Deutschland ? stillgelegt. Es finden keine neuen Beerdigungen mehr statt. Als Orte der Erinnerung werden die Friedhöfe aber weiter genutzt.
Der jüdische Friedhof in Willmars ist gut 5000 Quadratmeter groß und liegt auf einer Anhöhe im Wald zwischen Willmars und Neustädtles (Kreis Rhön-Grabfeld). Zum ersten Mal wurde er im Jahr 1736 urkundlich erwähnt, er wurde jedoch vermutlich bereits im 16. Jahrhundert angelegt. Auf dem Friedhof stehen mehr als 1.400 Gräber, er ist damit der zweitgrößte jüdische Friedhof Unterfrankens. Die letzte Bestattung in Willmars fand 1938 statt. (2329)
Quelle: Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. Bayerische Landeszentrale für Politische Bildung (Hrsg.), München 1988


