Energieverbrauch erlebbar machen

Korrespondentenbericht | epd - Landesdienst Bayern

Energieverbrauch erlebbar machen

Würzburger Schüler entwickeln für Schullandheim "Thüringer Hütte" preisgekrönte Lernmodule zum Thema erneuerbare Energien - (mit Bild) - Von Vanessa Bauer (epd)

Wasserdampf steigt in kleinen Glasröhren nach oben. Kinder treten bis zur Erschöpfung in die Pedalen eines Ergometers. Ein Atomkraftwerk wird abgerissen. Und das alles im Schullandheim "Thüringer Hütte" in Hausen in der Rhön (Kreis Rhön-Grabfeld). Das unterfränkische Schullandheim hat - wie jedes in Bayern - einen eigenen Themenschwerpunkt, hier: alternative Energien.

Christoph Stolzenberger, Doktorand für Physik an der Universität Würzburg, hat zusammen mit der Oberstufe des Würzburger Wirsberg-Gymnasiums am Wettbewerb "Energie für Ideen" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung teilgenommen. Sie entwickelten gemeinsam einige Lernmodule für das Schullandheim. Ihr Projekt wurde neben zwölf anderen aus Deutschland zum Gewinner gekürt und erhielt 10.000 Euro Preisgeld zur Umsetzung der Ideen.

Bereits seit den 1990ern gibt es im Schullandheim "Thüringer Hütte" Spiele und Aufgaben zum Thema Energieeffizienz und Ökologie, wie Stolzenberger berichtet. Diese seien jedoch veraltet und "so kam das neue Projekt genau zur richtigen Zeit". Auch die Bausubstanz des Schullandheims entspreche längst nicht mehr den heutigen Energiestandards. An einem neuen "Energie Plus Haus" werde zurzeit gebaut, dies könne dann mehr Energie erzeugen als es selbst brauche.

Dazu benötigt man laut Stolzenberger eine gute Isolierung. Wie das genau funktioniert und was es für verschiedene Dämmvarianten gibt, können die Kinder im Schullandheim in Versuchen testen: "Wir haben ein Haus mit verschiedenen Wandmaterialien gebaut, zum Beispiel Holz, Glas oder Dämmwatte. Das Haus wird dann von innen beheizt und die Kinder messen an den Außenwänden die Temperatur. So wird gezeigt, wie verschiedene Materialien Wärme leiten."

Die Schüler des Gymnasiums hätten sich zusätzlich zu den Versuchsmodulen ein Spiel ausgedacht: Schülergruppen repräsentieren die Kontinente, deren Energieerzeugung und den -verbrauch. Die Europäer verfügen über viele Kraftwerke, haben allerdings auch einen hohen Verbrauch. Die Gruppe Afrika erzeugt wenig Energie, braucht aber auch sehr wenig. Alle Gruppen sollen grüne Energie herstellen. Das heißt: Atomkraftwerke abreißen, alternative Energien aufbauen.

Dies können sie aber nur, wenn sie die einzelnen Lernstationen erfolgreich absolvieren und mit den vorhandenen finanziellen Mitteln gut wirtschaften. "So werden die Kinder ermutigt, möglichst viele Module erfolgreich abzuschließen und sehen den Bezug zur Realität", erklärt der 26-jährige Physikdoktorand Stolzenberger. Zurzeit gäbe es sieben dieser Module, aber bis zum Abschluss des Projekts in etwa einem Jahr sollen acht weitere Lernstationen hinzukommen.

Initiiert wurde das Projekt von Matthias Galmbacher, Physiklehrer am Wirsberg-Gymnasium und zweiter Vorsitzender des Schullandheimwerks Unterfranken. "Die Schüler und ich wollten das Projekt eigentlich mit Spenden und Unterstützern der Thüringer Hütte finanzieren", erläutert Galmbacher. Doch der Gewinn des Wettbewerbs habe nun zur Freude aller Beteiligten eine deutlich schnellere Umsetzung des Projekts ermöglicht.

Obwohl die Gymnasiasten von Lehrer Galmbacher und Physikdoktorand Stolzenberger unterstützt wurden, legen die Oberstufenschüler doch großen Wert darauf, das Gros der Ideen ganz allein entwickelt zu haben. Eine achte Klasse des Gymnasiums durfte die Module in einem Testlauf auf Herz und Nieren prüfen - und kam dabei schnell ins Schwitzen. Sie sollten mit Muskelkraft Wasser kochen. Dafür traten sie kräftig in die Pedale eines Ergometers, doch trotz gemeinsamer Anstrengung wurde das Wasser nur lauwarm.

"In diesen Versuchen werden Kinder auf ihren eignen Energieverbrauch im Alltag hingewiesen und zum Energiesparen ermuntert", sagt der Doktorand. Doch inwieweit ein Schullandheimaufenthalt die Kinder nachhaltig prägt sei nicht untersucht, räumt Stolzenberger ein. Frühzeitige Aufklärung ohne erhobenen Zeigefinger könne aber mit großer Sicherheit einen Beitrag für einen bewussteren Energieverbrauch leisten, sind sich die Projektteilnehmer sicher. (0013/b110001 - b110002)

(Artikel vom 04.01.2011)