Landesbischof betont "uneingeschränktes Ja" der Kirchen zum Leben

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Landesbischof betont "uneingeschränktes Ja" der Kirchen zum Leben

"Kultur der Barmherzigkeit herrscht nicht von Natur aus"

Der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich hat am Mittwoch vor dem Presseclub in München die kritische Position der Kirchen gegenüber gesellschaftlichen Tendenzen, die den Lebensschutz aufweichen wollen, bekräftigt. Das Ja der Kirchen zum werdenden Leben wie zum Leben in seinen letzten Phasen sei "uneingeschränkt", betonte Friedrich.

Man könne nicht erwarten, dass eine erforderliche "Kultur der Barmherzigkeit von Natur aus herrscht", warnte der Landesbischof. "Im Gegenteil, die Starken werden stets eine Front gegenüber den Schwachen bilden, die Reichen gegenüber den Armen, die Erfolgreichen gegenüber den Verlierern, die Gebildeten gegenüber den Analphabeten." Deshalb sei es Aufgabe der Christen, "sich zu Anwälten für den Schutz des werdenden und des absterbenden oder auch des behinderten Lebens zu machen", so Friedrich.

Konkret sprach sich der evangelische Bischof dafür aus, "Gesetze zu verhindern, die Forschung an embryonalen Stammzellen oder Import zum Zwecke der Forschung ermöglichen könnten". Ein klares Nein setzte er Forderungen nach "aktiver Sterbehilfe" entgegen. Viele der Befürworter glaubten, dafür "aus Barmherzigkeit" einzutreten. "Sie bemerken nicht, dass sie eigentlich egoistische Motive haben und damit über anderes Leben entscheiden", sagte Friedrich.

Der Landesbischof sprach sich dafür aus, Patientenverfügungen "eine größere Rechtssicherheit zu geben". Es sei wünschenswert, das Abfassen einer Patientenverfügung "an eine vorausgehende Beratung, beispielsweise durch einen Arzt, zu knüpfen". Die Finanzierung einer solchen Beratung müsse durch den Gesetzgeber geklärt werden. Auf jeden Fall müsse vermieden werden, dass durch Patientenverfügungen "eine schleichende Ausweitung hin zur aktiven Sterbehilfe" möglich wird.

(Artikel vom 12.01.2005)