Christen in Nahost brauchen Solidarität

Meldung lang | epd - Landesdienst Bayern

Christen in Nahost brauchen Solidarität

Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Bayern befasst sich mit Lage von Christen in Bedrängnis

Trotz Christenverfolgung im Nahen Osten sieht der kirchliche Nahost-Experte Harald Suermann Zukunftschancen für die christlichen Kirchen in dieser Region. Für entscheidend dabei hält der Direktor des Missionswissenschaftlichen Instituts Aachen gemeinsames Auftreten der Christen gegenüber dem Islam und ökumenische Fortschritte. "Die Kirche im Orient wird sich radikal verändern müssen", sagte Suermann am Wochenende in Freising auf einer Tagung der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (AcK) in Bayern. Die christliche Präsenz in der arabischen Welt zu bewahren ist auch seiner Ansicht nach eine gemeinsame Aufgabe und Verpflichtung.

Christen müssten in ihrer Identität gestärkt und die Gemeinschaft von Kirchen gefördert werden, unterstrich Suermann, der in Bonn als Professor zum christlichen Orient forscht und lehrt. Als positive Zeichen nannte er etwa neue Bewegungen unter christlichen Laien, die sich stark sozial engagierten und so christliche Werte vermittelten. Auch in Schulen, Krankenhäusern und sozialen Einrichtungen könne das christliche Menschenbild erlebbar werden, wonach vor Gott alle Menschen gleich seien und keiner ausgegrenzt werde.

Von Politik und Kirchen in Europa und in der westlichen Welt erwartet der Experte für das orientalische Christentum mehr Lobbyarbeit bei den Regierungen in arabischen Ländern und Unterstützung demokratischer Entwicklungen. Die Kirchen sollten zudem die Ausbildung von Priestern und Pfarrern stärker fördern sowie besser über orientalische Kirchen informieren. Kenntnisse über sie seien in Europa meist "außerordentlich schlecht". Im Nahen Osten leben laut Suermann insgesamt 14 Millionen Christen in einer Gesamtbevölkerung von 330 Millionen Menschen. Das Gebiet reicht von Ägypten bis zur Türkei, von Iran bis Israel, hinzu kommen die Golfstaaten, Irak, Libanon, Syrien, Jordanien und Zypern.

Konkrete Hilfe für die Christen im Nahen Osten sei tatsächlich nötig, unterstrich der Ökumene-Referent der bayerischen evangelischen Landeskirche, Oberkirchenrat Michael Martin. Die Lage habe sich für Christen in den letzten Jahren noch einmal dramatisch verschärft, sagte er mit Rückblick auf den Bombenanschlag in Alexandria am Neujahrstag und auf die missglückte Geiselbefreiung im Oktober in Bagdad.

Der Terror im Irak mache ein einigermaßen normales Leben praktisch unmöglich. "Vor allem um die Hauptstadt können die Menschen kaum noch auf die Straßen gehen, Geschäfte und Schulen bleiben größtenteils geschlossen, Krankenhäuser haben nur noch Notdienste, die Versorgung mit Wasser und Energie ist äußerst instabil", sagte Martin unter Bezug auf wöchentliche Lageberichte eines irakischen Priesters. Im Irak werde heute mit größter Brutalität eine religiöse und ethnische Säuberung vorgenommen. Christen würden erheblich unter Druck gesetzt, weil viele Muslime sie als Einfallstor westlicher Kultur betrachteten.

Martin rief zur Solidarität mit den Gläubigen im Irak auf und kündigte an, auch weiterhin durch Projekte vor Ort christliches Lebens stärken zu wollen. Ein neues, großes Bildungsprojekt mehrerer Kirchen in Deutschland und der Schweiz sieht beispielsweise Förderprogramme für christliche Schulen und Kindergärten, Unterstützung für die Priester- und Diakonenausbildung, Katechesekurse in irakischen Kirchengemeinden und die Neuauflage der Khodra, des zentralen liturgischen Buches der Ostsyrischen Kirchen, vor. (0179)

(Artikel vom 30.01.2011)