Ein Candle-Light-Dinner als Paartherapie

Meldung lang | epd - Landesdienst Bayern

Ein Candle-Light-Dinner als Paartherapie

Die "Marriage Week" feiert die Romantik des Ehealltags

An einem Ziegenkäse muss eine Ehe nicht scheitern. Die Paartherapeutin Brigitte Nickel aus Friedberg bei Augsburg verzieht schon allein bei dem Wort Ziegenkäse angewidert das Gesicht. "Beim Essen, in der Freizeit oder in der Sexualität können Partner ganz unterschiedlich sein. Die Frage ist nur, wie geht man damit um", sagt sie und reicht ihren Teller ganz pragmatisch an ihren Mann weiter. Ihre Ehe ist gerettet, denn sie hat Glück. Ihr Mann liebt Ziegenkäse.

Brigitte Nickel hat gemeinsam mit Karl Sucher von der Ottmaringer Fokolar-Bewegung zum Candle-Light-Dinner im Begegnungszentrum Ottmaring eingeladen. Ein romantisches Essen zu zweit in einer Gruppe mutet auf den ersten Blick in etwa so gefühlvoll an wie eine chinesische Massenhochzeit. Doch das Rezept geht auf. Das Candle-Light-Dinner ist nämlich eine der vielen Veranstaltungen, die seit drei Jahren vom 7. bis zum 14. Februar in ganz Deutschland im Rahmen der "Marriage Week" stattfinden.

Die "Marriage Week" ist eine europäische und ökumenische Kampagne, die sich zum Ziel gesetzt hat, den Wert der Ehe wieder in der Gesellschaft zu stärken. Das Vorbild für das Projekt stammt aus England, wo schon seit zehn Jahren verschiedene kommunale Einrichtungen, Kirchengemeinden, der Handel und die Presse an der Programmgestaltung für die "Marriage Week" teilnehmen. Im Raum Augsburg koordinieren Brigitte Nickel und Karl Sucher seit zwei Jahren die europäische Woche der Ehepaare. Bei ihrem Candle-Light-Dinner werden sie von ehrenamtlichen Helfern der Fokolarbewegung und der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde "Der gute Hirte" aus Friedberg unterstützt.

Sechzehn Paare sind diesmal gekommen. Das Licht ist gedämpft, aus den Lautsprechern klingt Gitarrenmusik, und auf den Stehtischen in der Empfangshalle sind kleine Efeu-Gestecke mit roten Pappherzen drappiert. Karl Sucher und der Ziegenkäseliebhaber Pfarrer Volker Nickel wandern in Kellner-Kluft zwischen den Gästen hin und her und reichen Kir Royal. Manche Paare stehen noch etwas verloren im Raum. Andere haben sich schon in Gruppen zusammengefunden.

Da ist zum Beispiel Gerhard L., 40 Jahre alt und Bankkaufmann, der mit seiner 36-jährigen Frau Christine schon vergangenes Jahr zum Candle-Light-Dinner gekommen ist. Den beiden ist die Veranstaltung die 49 Euro wert, die sie für das gemeinsame Essen zahlen. "Ich finde die ganze Aktion 'Marriage Week' toll und auch, dass das Thema Ehe wieder an Wert gewinnt. Dort, wo ich arbeite, ist die Ehe überhaupt nicht en vogue", sagt Gerhard. Die beiden haben sich richtig schick gemacht. Gerhard trägt sogar einen dunklen Anzug. Sie freuen sich auf den Abend zu zweit, eine angenehme Atmosphäre, das gute Essen und die thematischen Impulse von Brigitte Nickel.

Die Paartherapeutin führt mit kleinen Vorträgen und Gesprächsanregungen zwischen den Gängen durch den Abend. Die Ehepaare setzen sich in drei Reihen an weiß gedeckte Tische, auf denen rote Rosen in Glasvasen stehen. An der Decke baumelt ein Mobile aus roten Herzen und an der Wand hängt diskret ein Kreuz. Die 45-jährige Sozialpädagogin Bärbl S. und der 58 Jahre alte Diplom-Ingenieur Christoph S. sind gekommen, um ihre Ehe zu feiern. Die beiden sind seit elf Jahren verheiratet. Christoph hat seiner Frau extra Blumen mitgebracht und auch bei Gerhard und Christine liegt bald ein Geschenk in Herzform und roter Schleife auf dem Tisch. Die vier folgen aufmerksam den Gesprächsanregungen von Brigitte Nickel. Wirklich zu brauchen scheinen sie Nickels Vorschläge aber nicht. Die beiden Paare reden und lachen unablässig und schauen sich ganz verliebt an.

Brigitte Nickel ermuntert ihre Gäste, sich daran zu erinnern, was sie in letzter Zeit gemeinsam genossen haben und sich wieder zu entdecken. Vom augenzwinkernd servierten Ziegenkäse als Vorspeise über eine Hochzeitssuppe, Roastbeef und eine Mousse au Chocolat geht es Nickel darum, die Paare zu ermutigen, sich an den kleinen Dingen zu erfreuen. "Was haben Sie für Traditionen?", "Was sind Ihre Rituale?", "Woran erinnern Sie sich gern?" und "Wenden Sie sich einander zu mit allen Sinnen" sind ihre Fragen und Vorschläge, die sie ihren Gästen aufträgt.

Manche Paare kauen dennoch stumm an ihrem Essen, aber auch ihnen hat Brigitte Nickel etwas mitzugeben. So sagt sie, dass es in einer Ehe auch unlösbare Probleme geben darf. Eines der Paare, das sich nicht unterhält, schaut sich daraufhin lange an. Dann hebt die Frau ihre Hand und streichelt ihrem Mann sanft das Gesicht.

"Es ist ganz viel und tief hängen geblieben", sagt Bärbl dankbar am Ende des Candle-Light-Dinners. Ihr ist bewusst geworden, dass nichts selbstverständlich ist in einer Ehe. Ihr wird nicht nur das feine Menü, sondern auch ein Teil des Rezepts für eine glückliche Ehe in Erinnerung bleiben. Ein bisschen mehr Romantik im Ehealltag und eine Prise "Lebensgenuss zu zweit" sind die ersten Zutaten. Internet: www.marriage-week.de (0255/b110340; -41; -42; -43)

(Artikel vom 10.02.2011)