Familienwissenschaftler fordert mehr Bildung für Vorschulkinder
Familienwissenschaftler fordert mehr Bildung für Vorschulkinder
Der Münchner Familienwissenschaftler Wassilios Fthenakis hat eine wesentlich stärkere Förderung von Kindern im Vorschulalter angemahnt. In Europa gebe es kaum ein Land, das die Bildung von Kindern so stark vernachlässigt habe wie Deutschland, sagte Fthenakis bei einem Vortrag am Mittwochabend im Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn. Kindergärten seien jahrzehntelang statt als Chance zur Bildung lediglich als Aufbewahrungsort gesehen worden, kritisierte er. Andere Länder wie Schweden hingegen investierten vier Mal so viel in die Bildung von Kindern.
Eine Gesellschaft mit immer weniger Kindern habe nur dann eine Überlebenschance, wenn sie ihre Ressourcen optimal einsetze, betonte Fthenakis, der als Direktor des Münchner Staatsinstituts für Frühpädagogik tätig ist. Deshalb müsse der Staat massiv in die frühkindliche Bildung sowie in die Ausbildung entsprechender Fachkräfte investieren. Nach Auffassung von Fthenakis sind rund 375.000 Fachkräfte notwendig.
Der Familienforscher kritisierte auch, dass die Familie von Politik und Wirtschaft zu wenig gefördert werde. Umfragen zur Folge habe zwar eine "Revolution" in der Einstellung gegenüber der Familie stattgefunden. Immer mehr Männer wollten nicht nur für den Unterhalt sorgen, sondern sich auch in der Erziehung engagieren. Auch wünschten sich die meisten Familien mehr Kinder. Die Rahmenbedingungen behinderten jedoch die Perspektiven für Familien. In der Arbeitswelt werde der Arbeitnehmer in der Regel nicht als Familienmitglied berücksichtigt. Für Frauen seien Arbeit und Familie oftmals noch unvereinbar. Die Kinderarmut in Deutschland sei zudem ein Skandal.


