Experte: Migranten haben große Wissenslücken beim Thema Pflege

Meldung lang | epd - Landesdienst Bayern

Experte: Migranten haben große Wissenslücken beim Thema Pflege

Ältere türkische Migranten in Deutschland haben offenbar große Wissenslücken beim Thema Pflege. Der Arbeits- und Sozialattaché beim türkischen Generalkonsulat in Nürnberg, Kemal Ramoglu, sagte am Wochenende bei einer Tagung zu pflegebedürftigen Migranten in Nürnberg, die Generation seiner Landsleute, die vor 50 Jahren als Gastarbeiter kam, nützten nur selten ambulante Pflegedienste und wüssten nicht, was Ihnen über die Pflegeversicherung zustehe.

Viele türkische Migranten wünschen sich laut Ramoglus, auch ihr Alter in Deutschland zu verbringen, weil hier ihre Kinder leben. Statistische Erhebungen hierzu gebe es aber noch nicht. Ramoglus Ziel ist es, mehr türkischstämmige junge Leute für Pflegeberufe zu gewinnen. "Gerade die erste Generation will sich lieber von Landsleuten pflegen lassen", sagte Ramoglu. Pflegekräften aus ihrer eigenen Kultur würden türkische Patienten leichter die Tür öffnen, berichtete auch Altenpflegerin Ayçe Güleç, die in Nürnberg einen ambulanten Pflegedienst betreibt.

Die Ärztin Johanna Myllymäki-Neuhoff vom Zentrum für Altersmedizin am Klinikum Nürnberg betonte, wie wichtig eine Ausbildung zur "kultursensiblen" Pflege sei. Junge türkische Frauen, die kaum die Heimat ihrer Eltern kennen würde, hätten das effiziente westliche Medizinmodell vor Augen. "Sie wissen nicht mehr welche Bedeutungen früher heilende Berufe in der Türkei hatten".

Hausärzte sollten türkischen Senioren besser über Pflegemöglichkeiten informieren, fordert Güleç. Sie stelle oft fest, dass die Kommunikation nicht funktioniere, weil auch die Mediziner Hemmschwellen hätten. Von türkischen Vereinen erwartet sie mehr Informationsveranstaltungen über Alterskrankheiten wie Diabetes oder Demenz. In Deutschland lebten 600.000 Migranten mit Diabetes, informierte Myllymäki-Neuhoff. Zwei Drittel würden nicht ausreichend behandelt: "Hier entstehen viele Pflegefälle, die es nicht geben müsste." (0328)

(Artikel vom 20.02.2011)