"Moshammer hat nie den Blick für Gott verloren"

Meldung lang | epd - Landesdienst Bayern

"Moshammer hat nie den Blick für Gott verloren"

Ermordeter Modeschöpfer neben seiner Mutter in München beerdigt

Der ermordete Münchner Modeschöpfer Rudolph Moshammer ist am Samstag im Familiengrab auf dem Münchner Ostfriedhof neben seiner Mutter Else beerdigt worden. Der evangelische Pfarrer Christian Stalter sprach in der Aussegnungshalle des Friedhofs im Straßenanzug das Vaterunser und die Fürbitten. Zuvor hatte Stalter im Talar bei der offiziellen Trauerfeier in der Allerheiligen-Hofkirche der Wittelsbacher Residenz im Stadtzentrum eine Ansprache gehalten.

Moshammer habe "nie den Blick für Gott aus den Augen verloren", sagte der Pfarrer. "Mit allem, was schwer auf seiner Seele lastete und ungelöst war, wandte er sich an Gott und vertraute auf seine Hilfe, so wissen es engste Wegbegleiter zu berichten."

Rund 400 geladene Gäste nahmen an der Trauerfeier in der Kirche teil, rund 1.000 verfolgten sie andächtig auf einer Großbild-Leinwand im Brunnenhof der Residenz. Vor dem Geschäft Moshammers in der nahen Maximiliansstraße warteten weitere 1.000 auf den Trauerzug. Pfarrer Stalter rief die Menschen dazu auf, "vor Gott unser Herz auszuschütten über das Elend, das Menschen widerfährt, und über die Gewalt, die Menschen einander antun." Er erinnerte auch an die Opfer der Flutkatastophe in Asien.

Manches spreche dafür, dass "Moshammers Auftreten, sein Gespür für das Öffentliche eine Flucht aus einer weiten Einsamkeit war". Manches spreche dafür, "dass bei allem Wohlstand vieles unerfüllt blieb". Der frühe Verlust des Vaters habe "seine Seele zeitlebens betrübt". Trotzdem sei Moshammer "ein freundlicher und wacher Zeitgenosse gewesen, der sein Leben geschickt leitete".

Stalter erinnerte an das soziale Engagement des Verstorbenen und sein Verdienst, die Öffentlichkeit auf die Probleme der Menschen "am Rande der sozialen Sicherungssysteme" aufmerksam gemacht zu haben. "Diese wichtige Hilfe tröstete viele Menschen und war seine Weise, Gott zu loben."

(Artikel vom 22.01.2005)