Atomphysiker hält Reaktorunfälle wie in Japan auch hierzulande für möglich
Atomphysiker hält Reaktorunfälle wie in Japan auch hierzulande für möglich
Abläufe wie in Japan können nach Auffassung des Kernphysikers Wolfgang Neumann auch hierzulande stattfinden. Dazu brauche es kein Erdbeben, sagte Neumann am Mittwoch in München. Er hatte im Auftrag der Grünen in Bayern bereits vor Jahren das nun stillgelegte Kernkraftwerk Isar 1 bei Landshut untersucht.
Neumann hatte 2009 in einem Gutachten davor gewarnt, das Kraftwerk Isar 1 sei für Flugzeugabstürze nicht hinreichend gesichert. Zudem zeige es mit zunehmendem Alter grundlegende Schwächen und Verschleißerscheinungen. Das Umweltministerium als zuständige Aufsichtsbehörde habe Sicherheitsmängel damals zurückgewiesen und auf jährlich tausend Prüfungen verwiesen. Neumann verwies zudem auf die Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS), die 2003 in einer vertraulichen Studie festgestellt habe, Reaktortypen wie Isar 1 seien dem gezielten Absturz eines Passagierflugzeugs schutzlos ausgeliefert.
Der inzwischen abgeschaltete Siedewasserreaktor Isar 1 gehört zu den ältesten Reaktoren in Deutschland. Neumann zufolge zu der "berüchtigten Baulinie 69", die sich in ihrer 30jährigen Geschichte als besonders störanfällig erwiesen habe. Bei den drei meldepflichtigen Störungen sei einmal über dreieinhalb Stunden die Hauptkühlung ausgefallen.
Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Margarete Bause erinnerte daran, dass 1988 ein Militärjet vom Typ Mirage wenige Flugsekunden vom Atommeiler entfernt abgestürzt sei. Darauf habe der damalige Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) vorgeschlagen, das Kraftwerk bei solchen Vorkommnissen "einnebeln" zu lassen. Sie forderte, dem Betreiber die Betriebsgenehmigung zu entziehen.
Der bayerische Umweltminister Markus Söder (CSU) wird an diesem Donnerstag zur Atompolitik eine Regierungserklärung im Landtag abgeben; zeitgleich zur Regierungserklärung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin. (0573)


