Landtagspräsidentin Stamm: Deutschland Spitzenreiter bei sozialer Selektion
Landtagspräsidentin Stamm: Deutschland Spitzenreiter bei sozialer Selektion
Die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Barbara Stamm, hat mit scharfen Worten den Auslese-Charakter des deutschen Bildungssystems kritisiert. Deutschland sei im internationalen Vergleich "Spitzenreiter bei der sozialen Selektion", beklagte die CSU-Politikerin am Sonntag bei einer Veranstaltung der Evangelischen Akademie Tutzing in München. Die Deutschen müssten sich auf die Tatsache einstellen, dass bald 40 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund hätten. "Alle Eltern und Kinder sollten aber das Gefühl haben, dass sie von der Gesellschaft, in der sie leben, nicht alleine gelassen werden", sagte die frühere bayerische Sozialministerin.
Das Bildungssystem müsse an der Neugier der Kinder anknüpfen und "allen Kindern die Erfahrung vermitteln, wie spannend es ist, immer wieder etwas Neues zu lernen", betonte Stamm. Es gehe nicht darum, möglichst viel Wissen in jedes Kind hineinzustopfen, sondern die in jedem Kind vorhandenen Talente auf eigene Weise zu fördern. "Jede Leistung zählt, weil jeder an seinem Platz gebraucht wird."
Die Landtagspräsidentin bezeichnete es als besonders dringlich für die deutsche Gesellschaft, von der hohen Arbeitslosenquote bei Menschen mit Migrationshintergrund herunter zu kommen und ausländischen Jugendlichen vermehrt Bildungs- und Berufsabschlüsse zu ermöglichen. Das sei ein wichtiger Beitrag, um Parallelgesellschaften zu verhindern. (0611)


