Mehr Ansehen für die Diakone
Mehr Ansehen für die Diakone
Neuer Bachelor-Abschluss in Rummelsberg und Nürnberg - Von Jutta Olschewski (epd)
Die bayerischen Diakone und Diakoninnen können in Zukunft ihre Ausbildung mit dem Bachelor-Abschluss in einem Studiengang "Diakonik" abschließen. Die angehenden Diakone absolvieren ihre sechsjährige Ausbildung an zwei Standorten: im Studienzentrum in Rummelsberg und in der Evangelischen Hochschule Nürnberg. Die Doppelqualifikation aus einer theologisch-diakonischen und einer sozialfachlichen Berufsausbildung erwerben nun alle auf akademischem Niveau. Am kommenden Sonntag (27. März) fällt offiziell der Startschuss für die Lehrveranstaltungen im Studienzentrum Rummelsberg. Drei neue Lehrkräfte werden bei einem Gottesdienst in ihren Dienst eingeführt.
Pfarrer Ulrich Schindler, Ausbildungsleiter der Rummelsberger Diakone, hat zusammen mit Kolleginnen und Kollegen das neue Ausbildungskonzept erarbeitet. Anfangs hätten ältere Diakone schon Bedenken gegen eine Hochschulausbildung gehabt, erzählt er. Das frühere Berufsbild vom Diakon, der ausschließlich niedere Dienste am Krankenbett oder in einem Heim übernimmt - die lange bewährte handwerklich-agrarische Tradition Rummelsbergs - sei noch in manchen Hinterköpfen vorhanden. "Doch die Brüderschaft geht jetzt den neuen Weg mit", sagt Schindler. Andere diakonische Gemeinschaften in Deutschland setzten schon seit längerem auf eine universitäre Ausbildung für Diakone.
Die sechsjährige Diakonen- und Diakoninnenausbildung können Schulabgänger mit einem mittleren Schulabschluss genauso wie Abiturienten beginnen. Die erste Phase findet an der Diakonenschule in Rummelsberg statt. Hier steht biblische und diakonische Theologie auf dem Stundenplan. Danach erlernen die Studierenden den Berufszweig ihrer Wahl in der Gesundheits- und Krankenpflege, der Heilerziehungspflege, oder werden Erzieher, Sozialpädagoge oder Sozialwirt. Die dritte Phase dauert eineinhalb Jahre und führt zum Bachelor in Diakonik. Die Evangelische Hochschule Nürnberg hatte bereits im vergangenen Wintersemester den Studiengang eingerichtet, für den sich 17 Diakonenschüler einschrieben.
Die Ausbildungsreform soll die Diakoninnen und Diakone befähigen, mittlere Leitungsämter in Kirche und Diakonie zu übernehmen und das Ansehen des Berufs stärken, so Schindler. Nach Ansicht des zuständigen Oberkirchenrates Detlev Bierbaum erfordert der verschärfte Wettbewerb auf dem Sozialmarkt hoch qualifizierte Mitarbeiter, die zugleich das evangelische Profil der Diakonie schärfen könnten. Für den Ausbildungsjahrgang, der in diesem Herbst beginnt, haben sich nach Schindlers Angaben bisher etwa 60 junge Leute aus Gymnasien und Realschulen beworben. Er rechne aber auch noch mit einigen Nachzüglern.
Etwa 950 Rummelsberger Diakone gehören der Rummelsberger Brüderschaft an, 200 Frauen zur Gemeinschaft der Diakoninnen. Sie bilden den geistlichen Kern des Sozialunternehmens "Rummelsberger Dienste für Menschen". Mit 6.200 Beschäftigten in 170 Sozialeinrichtungen und einer Bilanzsumme von mehr als 500 Millionen Euro zählt die Rummelsberger Diakonie zu den zehn größten evangelischen Sozialunternehmen in Deutschland. Sie betreibt Pflegeheime für alte und für behinderte Menschen, Einrichtungen der Jugendhilfe und verschiedene Ausbildungsstätten. Die Diakone und Diakoninnen sind aber auch Beschäftigte in vielen Bereichen der evangelischen Kirche und der bayerischen Diakonie. (0635/23.03.2011)


