Bischofskandidat: Als Theologe im öffentlichen Diskurs
Bischofskandidat: Als Theologe im öffentlichen Diskurs
Professor Heinrich Bedford-Strohm - (Aktualisiertes Kurzporträt)
Die wichtigste Aufgabe eines Bischofs ist für den Theologen Heinrich Bedford-Strohm, etwas von der Kraft des christlichen Glaubens auszustrahlen, zu inspirieren und zu orientieren. Ein Bischof sollte der Kirche, aber auch der Gesellschaft ins Gewissen reden, sagte Bedford-Strohm, Professor für Systematische Theologie und Theologische Gegenwartsfragen der Universität Bamberg, Mitglied der Landessynode und Bischofskandidat, in einem epd-Gespräch. Nach seinem Verständnis darf Kirche nicht nur eine Gemeinschaft von Leuten sein, die sich mit sich selbst beschäftigt.
Ob Frieden, soziale Gerechtigkeit oder Bewahrung der Schöpfung: Professor Bedford-Strohm mischt sich gerne ein in den öffentlichen Diskurs. Als Mitglied der Sozialkammer der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover schreibt er an grundlegenden Denkschriften mit - so etwa am "Wort zur globalen Wirtschafts- und Finanzkrise", das kurz vor Ausbrechen der Finanzkrise im Jahr 2007 erschien. Er hält Vorträge im Rahmen eines seiner zahlreichen Ämter und Funktionen als theologischer Berater, Synodaler, Geschäftsführer oder Herausgeber.
Bedford-Strohm, der am Mittwoch (30. März) 51 Jahre alt wird, gilt als weltläufiger Akademiker. Der gebürtige Memminger studierte evangelische Theologie in Erlangen, Heidelberg und im US-amerikanischen Berkeley. Seine Doktorarbeit aus dem Jahr 1992 befasste sich mit dem Thema: "Vorrang für die Armen. Auf dem Weg zu einer theologischen Theorie der Gerechtigkeit". Nach seinem Vikariat im baden-württembergischen Heddesheim ging er als Gastprofessor an das Union Theological Seminary nach New York.
Von 1989 bis 1992 war er Assistent am Heidelberger Lehrstuhl von Wolfgang Huber, dem späteren EKD-Ratsvorsitzenden. Bedford-Strohm habilitierte 1998 über das Thema "Gemeinschaft aus kommunikativer Freiheit. Sozialer Zusammenhalt in der modernen Gesellschaft. Ein theologischer Beitrag". Dann folgten einige Jahre als Pfarrer der Stadtkirche St. Moritz in Coburg. Nach einer Vertretung an der Universität Gießen bekam er 2004 die Professur an der Universität Bamberg.
Die Erinnerungen an die Menschen in seiner Gemeinde tragen den Theologen bis heute. "Aus dieser Zeit", so erinnerte sich Bedford-Strohm in einem Interview, "habe ich immer noch all diese Geschichten im Herzen - die Geburtstagsbesuche, die Hochzeiten und Trauerfälle".
"Wer Seelsorge betreibt, kommt an politischen Fragen gar nicht vorbei", sagt Bedford-Strohm, der auch Gastprofessor an der Universität von Stellenbosch in Südafrika ist. Der von Luther formulierte Freiheitsbegriff könne eine Grundlage für jede Form von Zivilcourage und einer lebendigen Zivilgesellschaft sein.
Ausgleich und Entspannung findet Bedford-Strohm im Gottesdienst, beim Meditieren biblischer Texte, die er auch auf seinem iPhone hat. Wichtig ist ihm die Musik und die Natur und als "Regenerationsquelle" vor allem seine Familie mit den drei Söhnen. (0681/b101562)


