In Gottes Namen
In Gottes Namen
Warum Eltern ihre Kinder taufen lassen - Die Taufe hat eine lange Tradition -
Die Hauptperson schläft. Den flaumigen Kopf auf dem Unterarm der Mutter, schlummert der Säugling vor sich hin, ungeachtet der vielen Blicke, die sich aus dem Kirchenschiff auf ihn richten. Plötzlich fließt Wasser über die kleine Stirn, das Baby erwacht und schreit. Alle anderen lächeln. Getauft. Die Taufe ist eine beliebte Gelegenheit, die Geburt eines Kindes zu feiern, aber in der Zeremonie steckt eine lange christliche Tradition.
Die Geschichte der christlichen Taufe beginnt mit Johannes dem Täufer. Als Zeitgenosse Jesu predigte und wirkte er am Jordan. Menschen, die zu ihm kamen und ihre Sünden bekannten, tauchte er als Zeichen der Buße zur Vergebung der Sünden in das Flußwasser. Für die Getauften war dies ein Neuanfang und Bekenntnis, ihr Leben zu ändern.
Auch Jesus ließ sich von Johannes taufen. Seine Taufe wird in den Evangelien als der Beginn seines öffentlichen Auftretens beschrieben, bei dem sich Gott zu ihm bekannte und er den Heiligen Geist erhielt. Ob Jesus während seiner Wanderschaft später selbst taufte, ist in der Forschung umstritten. Sicher ist, dass seine Jünger die Taufpraxis fortführten.
In den Briefen des Neuen Testamentes in der Bibel wird in Metaphern wie Geburt, Grab oder Tod beschrieben, was dem christlichen Glauben zufolge bei der Taufe geschieht. "Taufe ist das Tor zum Leben und die Tür zur Wahrheit", erklärt Wolfgang Huber, der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Theologische Deutungen der Taufe verweisen besonders auf drei Aspekte: Mit der Taufe wird ein Mensch Teil der christlichen Kirche. Christus befiehlt seinen Jüngern im letzten Kapitel des Matthäusevangelium: "Geht hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe." Mit der Taufe wird ein Täufling Mitglied der Kirchengemeinde und der Kirche Jesu Christi. Am Taufbecken erhält er eine neue, welt- und zeitumspannende Familie. Die Taufe ist darum auch ein wichtiger Baustein der Ökumene, weil verschiedene Kirchen sie untereinander anerkennen.
In der Taufe wird der Täufling von Sünde befreit. Die Sünde ist nach christlichem Verständnis nicht eine einzelne böse Tat, sondern der Zustand, in dem der Mensch von Gott getrennt ist. Mit der Taufe wechselt der Mensch aus dem Bereich der Sünde unter den Herrschaftsbereich Christi. Sein Leben soll nicht von Tod, Angst oder Gottesferne beherrscht werden. Es erhält ein anderes Vorzeichen. Die Taufe ist gewissermaßen eine Wassergeburt: Aus einem Kind wird ein Kind Gottes. Die Taufe ist darum ein einmaliges Geschehen, das für das ganze Leben gilt und nicht mehr wiederholt werden muss. Schließlich erhält der Täufling mit der Taufe den Heiligen Geist, wie Jesus ihn erhalten hat.
In der katholischen und evangelischen Kirche markiert die Taufe den Anfang des Glaubenslebens. In der Taufe eines Kindes soll deutlich werden, dass die Taufe zunächst die Entscheidung Gottes für die Menschen ist und nicht eine Entscheidung der Menschen für Gott. Als biblische Begründung für die Kindertaufe wird eine Aussage Jesu aus dem Lukasevangelium angeführt: "Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen ist das Reich Gottes." Bei der Kindestaufe versprechen Eltern und Paten vor dem Altar, den Täufling im christlichen Glauben zu erziehen, damit er einmal verstehen lernt, was an ihm geschehen ist. (0692)


