Kirche rüstet sich für Wettbewerb um Spendengelder
Kirche rüstet sich für Wettbewerb um Spendengelder
Finanzreferent Meier: Private Finanzquellen stärker erschließen
Die Kirche wird ihre Arbeit in Zukunft wesentlich stärker als heute aus privaten Quellen finanzieren müssen. Wegen der sinkenden Kirchensteuer-Einnahmen könnten die Gemeinden auf lange Sicht nur noch mit einer Grundversorgung aus dem landeskirchlichen Haushalt rechnen, sagte der Finanzreferent der evangelischen Landeskirche, Oberkirchenrat Claus Meier, am Mittwoch bei einem Fundraising-Seminar in Nürnberg, an dem 110 Kirchenmitarbeiter aus ganz Bayern teilnahmen. Für Sonderaufgaben müsse das Kapital vor Ort durch eigene Initiativen beschafft werden.
Meier forderte die Kirchenmitarbeiter auf, Projektideen zu entwickeln, aktiv auf Menschen zuzugehen und ihre Unterstützung zu gewinnen. Schamhaftigkeit sei im Wettbewerb der Ideen unangebracht. Das Geld für die kirchliche Arbeit falle nicht wie Sterntaler vom Himmel in die aufgehaltene Schürze, sagte er. Es erfordere Überzeugungsarbeit. Für den Wettbewerb um Spender, Stifter und Sponsoren sieht Meier die evangelische Kirche gut gerüstet: "Das Potenzial an Menschen, die Gutes tun wollen ist sehr hoch und die Kirche genießt Vertrauen." An der Höhe der Spenden für bestimmte Projekte werde sich letztlich erweisen, was die Menschen wirklich haben wollten.
Als Beispiel für die Bereitschaft, mehr Geld für die Kirche zu geben, nannte Meier die vor einem Jahr eingeführten höheren Kirchgeldsätze. Entgegen allen Unkenrufen hätten sich die Kirchgeldzahler nicht verweigert. Allein in Nürnberg sind nach jüngsten Zahlen des evangelischen Dekanats die Kirchgeldeinnahmen 2004 um mehr als 100.000 Euro (33 Prozent) gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Stadtdekan Michael Bammessel führt den Erfolg auch darauf zurück, dass es der Nürnberger Kirche mit ihrem Spendenaufruf "WahrZeichen bewahren" gelungen sei, die evangelische Bevölkerung für die Sanierung von renovierungsbedürftiger Kirchengebäuden zu mobilisieren.
Während das Kirchgeld unmittelbar örtlichen Projekten zu Gute kommt, fließt die Kirchensteuer zunächst in den Haushalt der Landeskirche. Seit ihrem historischen Höchststand im Jahr 2000 gehen die Kirchensteuer-Einnahmen zurück. 2004 sanken sie gegenüber dem Vorjahr um knapp acht Prozent auf 448 Millionen Euro.


