Dicke Kinder sollen spielen

Meldung lang | epd - Landesdienst Bayern

Dicke Kinder sollen spielen

Spielwarenindustrie setzt auf Outdoor und Sport

Die Spielwarenindustrie will dicke Kinder von der Couch bringen. Neues Spielzeug solle Kinder zu körperlichen Aktivitäten animieren, kündigten Spitzenvertreter der Branche am Donnerstag in Vorschau auf die 56. Internationale Spielwarenmesse an, die vom 10. bis 15. Februar in Nürnberg stattfindet. Die mit mehr als 2.700 Ausstellern aus 65 Ländern größte Spielzeugschau der Welt registriert eine verstärkte Nachfrage nach Sportartikeln und Outdoor-Ausstattung.

Die Spielwarenmesse geht von 14 Millionen europäischer Kinder mit Übergewicht aus, drei Millionen werden sogar als fettleibig eingestuft. Es komme darauf an, den natürlichen Bewegungsdrang von Kinder spielerisch zu fördern, bevor sich Passivität breit mache: "Wenn Freizeitaktivitäten Spaß machen, lassen Kinder sogar Fernseher, PC und Playstation stehen." Kinder seien bewegungswilliger, als allgemein angenommen, erklärten Messesprecher. So gehöre Radfahren bei 65 Prozent der 10 bis 13-jährigen Jungen und 41 Prozent der Mädchen zu den Top Ten der Freizeitaktivitäten.

Thomas Eichhorn, Vorsitzender des Europäischen Spielwarenverbandes, bekannte er sich zu der Verpflichtung, für menschenwürdige Arbeitsbedingungen bei der weltweiten Spielwarenproduktion zu sorgen. Die Hersteller, die wegen der Verhältnisse in asiatischen Fabriken in der Kritik von Menschenrechtsgruppen stehen, müssten schneller zu einheitlichen Sozialstandards kommen und diese konsequent umsetzen.

Wirtschaftlich setzt die deutsche Spielwarenindustrie nach dem leichten Umsatzrückgang des Jahres 2004 ihre Hoffnungen auf die neuen EU-Länder. In Polen, Ungarn und Tschechien würden bereits Jahr für Jahr zweistellige Zuwachsraten erzielt. Mit steigendem Wohlstand werde dieser Trend noch zulegen. Sprecher der Branche hoben die Bedeutung von Produktinnovationen für den Spielwarenmarkt hervor. 35 Prozent des Gesamtjahresumsatzes in Deutschland wird nach ihren Zahlen mit aktuellen Neuheiten erzielt und 23 Prozent mit Neuheiten des Vorjahres.

(Artikel vom 03.02.2005)