Internationale Spielwarenmesse Nürnberg eröffnet

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Internationale Spielwarenmesse Nürnberg eröffnet

Edmund Stoiber ruft zu Kinderfreundlichkeit auf

Mit einem Aufruf von Ministerpräsident Edmund Stoiber zu mehr Kinderfreundlichkeit hat die Internationale Spielwarenmesse Nürnberg am Donnerstag ihre Pforten geöffnet. Auf der größten Spielzeugschau der Welt werden noch bis 15. Februar rund eine Million Produkte gezeigt. Wirtschaftliche Zugpferde sind die 60.000 Neuheiten, die in den kommenden Monaten in den Geschäften Kinderaugen zum leuchten bringen und die Geldbeutel der Eltern öffnen sollen.

Der hohe Anteil an Single-Haushalten drohe zu einer kinderentwöhnten Gesellschaft zu führen, sagte Stoiber. Weniger Kinder bedeuteten einen Verlust an Glück, Emotionalität und Innovationskraft. Nötig sei ein "Bewusstseinswandel hin zu einer familienfreundlichen Gesellschaft". Vertreter der Spielwarenbranche unterstrichen die Bedeutung ständiger Produktinnovation. Nach ihren Angaben wurden im vergangenen Jahr in Deutschland 58 Prozent des Spielzeug-Umsatzes mit Neuheiten erzielt, die nicht älter als zwei Jahre waren.

Bei den ausländischen Messe-Ausstellern belegt China mit 240 Firmen vor Hongkong mit 214 den Spitzenplatz. Die Bedeutung der Produktionsstätten im Fernen Osten wird durch die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes unterstrichen. Danach wurden im Jahr 2004 Spielwaren im Wert von mehr als 2,3 Milliarden Euro in die Bundesrepublik eingeführt, davon die Hälfte aus China.

Menschenrechtsgruppen, die in Deutschland im Aktionsbündnis "fair spielt" zusammengeschlossen sind, haben auf der Messe Proteste gegen die Arbeitsbedingungen in chinesischen Spielzeugfabriken angekündigt. Sie werfen ihnen die Missachtung von Sozialstandards und Arbeitsschutzbestimmungen vor.

Der Druck des Aktionsbündnisses auf die Industrie hat bereits Verbesserungen gebracht. Noch vor einigen Jahren sei die Forderung der Menschenrechtsgruppen nach unabhängigen Kontrollen in den asiatischen Fabriken von der Spielzeugbranche als naiv und vollkommen unrealistisch abgetan worden, sagte Jürgen Bergmann vom Kirchlichen Entwicklungsdienst Bayern (Nürnberg). Inzwischen seien die ersten 68 Überprüfungen erfolgreich absolviert.

Im Hinblick auf die Gesamtsituation im Fernen Osten sei das allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sagte Bergmann. Jedes Spielzeugunternehmen weltweit müsse mitmachen. Das unterstrich auch Thomas Eichhorn, Vorsitzender des Europäischen Spielwarenverbandes und Vorstandsvorsitzender des oberfränkischen Spielwarenherstellers Zapf Creation. Die Spielzeughersteller müssten den Verbrauchern beweisen, dass sie ihrer Verantwortung gegenüber den Arbeitern in den Fabriken nachkämen, erklärte er.

(Artikel vom 10.02.2005)