Hier steht der Himmel offen

Korrespondentenbericht | epd - Landesdienst Bayern

Hier steht der Himmel offen

Eine Ausstellung über 800 Jahre Kloster Oberschönenfeld - (mit Bild) Von Lutz Neumann (epd)

"Schau, die Schwester Regina hat sich gar nicht verändert." Die Besucherin Hedwig Schwalber zeigt auf eine 20 Jahre alte Collage mit Zisterzienserinnen des Klosters Oberschönenfeld. Es ist kein Gruppenbild, sondern jede Schwester ist mit ihrem Porträt abgebildet, ganz für sich alleine, wie ein Solitär und doch in der Gemeinschaft der Mitschwestern, buchstäblich eingerahmt. Das Bild steht für das Leben der Schwestern im Kloster des schwäbischen Oberschönenfeld, wie sie es seit acht Jahrhunderten führen. Zum Jubiläum der Abtei ist den Zisterzienserinnen nun eine Sonderausstellung zum Thema "Hier steht der Himmel offen - 800 Jahre Oberschönenfeld" gewidmet.

Einige Besucher der Jubiläumsausstellung - unter ihnen auch Hedwig Schwalber - gehen an einer unscheinbaren Stele vorüber. Ein kleines Mädchen staunt über ein darin liegendes mehrfach gefaltetes Papier mit einem schwarzen Siegel, das an einem flachsähnlichen braunen Faden hängt. Die Eltern bleiben stehen und lesen laut vor, dass es sich um ein Schreiben von Papst Innozenz IV. handelt, der am 28. August 1248 dem Kloster "Schonenwelt" die Privilegien eines Zisterzienserklosters zuerkennt. Die Äbtissin Elisabeth Herold hatte in ihrer Chronik, die sie im 17. Jahrhundert schrieb, das Gründungsjahr schon auf 1211 festgelegt. Dafür spreche, so der Münchner Historiker, Professor Werner Schiedermair, dass es vor 1248 wohl schon zwei Äbtissinnen in Oberschönenfeld gegeben haben soll.

Viele Besucher der Ausstellung bleiben vor der "Schatzkammer" stehen. Hinter Glasparavants sind 20 Klosterarbeiten des 17. und 18. Jahrhunderts zu sehen: vergoldete Reliquienaltärchen, Andachtstafeln und Altarbildchen, die teilweise erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Auf der gegenüberliegenden Seite des Ausstellungsraumes hängen zwei rechteckige Tafeln des Oberschönenfelder Altars aus den ersten Jahren des 16. Jahrhunderts an der Wand ? Leihgaben der Bayerischen Staatsgemäldesammlung. Gleich daneben ist eine Klappe an der Wand angebracht. Darauf ist eine schwarze Katze gemalt: "Kater" Bernhard. Er trägt den Namen des Heiligen Bernhard von Clairaux, einem der Gründerväter des Zisterzienserordens im 12. Jahrhundert. Hinter der Klappe können Kinder kurze Informationen über einige Exponate bekommen.

An einer der zwei Filmstationen der Ausstellung steht ein Ehepaar und schaut sich in kurzen Sequenzen die ersten Filme an, in denen über das Klosterleben in Oberschönenfeld berichtet wird. Erinnerungen werden bei beiden wach. Sie sprechen über einzelne der gezeigten kirchlichen Würdenträger, die ihnen im Gedächtnis geblieben sind. Auch zwei Monitore laden jüngere und ältere Besucher ein, tiefer in die Ordensgeschichte einzutauchen. Eine junge Frau betrachtet gerade die Personen, die auf einem Ölgemälde zu sehen sind: Maria mit dem Jesuskind im Schoß übergibt dem Heiligen Bernhard einen Ring. Die Personen können einzeln mit ihren jeweiligen Geschichten elektronisch herausgehoben werden.

Umfangreicher und durch Gegenstände des täglichen Gebrauchs auch etwas anschaulicher ist das Arbeitsleben der Schwestern ausgestellt. Das Museumskonzept ist so angelegt, dass Eltern gerade hier ihren Kindern noch einiges aus ihrem eigenen Erleben oder dem ihrer Eltern erzählen können. Hinweis: Die Ausstellung "Hier steht der Himmel offen ? 800 Jahre Oberschönenfeld", ist im Schwäbischen Volkskundemuseum Oberschönenfeld noch bis zum 16. Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr außer montags zu besichtigen.

Internet: www.schwaebisches-volkskundemuseum.de (0887/b111250 - b111257)

(Artikel vom 14.04.2011)