Evangelische Publizistik spürt versteckte Menschen und Themen auf

Meldung lang | epd - Landesdienst Bayern

Evangelische Publizistik spürt versteckte Menschen und Themen auf

EPV-Direktor Gertz: Unabhängigkeit und Grundsympathie

Kirchliche Medien müssen nach Ansicht von Roland Gertz, Direktor des Evangelischen Presseverbandes für Bayern (EPV), vor allem auf fundierte Inhalte setzen und dabei die vielfältigen technischen Möglichkeiten ausschöpfen. "Wir brauchen mehr als bloße Schlagzeilen und ein starres Festhalten an klassischen Produkten, um auch in Zukunft als kirchliche Publizistik erfolgreich zu sein", betonte Gertz am Donnerstagabend im Regensburger Presseclub.

Entscheidend für die kirchlichen Medien seien journalistische Freiheit und Unabhängigkeit, unterstrich der EPV-Direktor. "Wir haben natürlich eine Grundsympathie für die evangelische Kirche, für religiöse Überzeugungen, für die Botschaft des Evangeliums und andere Konfessionen", sagte Gertz. Das schließe jedoch nicht eine kritische Berichterstattung über Ereignisse in der Kirche, wie etwa über Missbrauchsfälle, aus. "Weder der Landesbischof noch andere Menschen aus der Kirchenleitung schreiben uns vor, worüber und wie wir zu berichten haben." Wenn Artikel kritische Reaktionen hervorriefen, sei das "ein Kompliment für unsere Arbeit und zugleich ein Zeichen für unsere Unabhängigkeit" sagte Gertz.

Der Theologe und Journalist diskutierte im Presseclub unter der Moderation von BR-Studioleiter Gerhard Schieche über Aufgabe und Verantwortung kirchlicher Publizistik. Sie bestehe darin, über Themen und Menschen zu berichten, die in anderen Medien eher nicht oder gar nicht vorkämen, sagte Gertz. Er erinnerte an den Grundsatz des evangelischen Publizisten und Pfarrers Robert Geisendörfer (1910-1976), wonach publizistisches Handeln der Kirche auch danach ausgerichtet sein sollte, den Stummen eine Stimme zu geben.

Unter dem Dach des Evangelischen Presseverbandes mit Sitz in München befinden sich die Evangelische Wochenzeitung für Bayern, das "Sonntagsblatt", die Nachrichtenagentur Evangelischer Pressedienst (epd) Landesdienst Bayern, die Evangelische Funk-Agentur (efa), das Evangelische Fernsehen (efs), der Claudius-Buchverlag und die Evangelische Medienagentur (ema). Das kirchliche Medienhaus beschäftigt derzeit 55 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Aufbau befindet sich eine neue Internet-Redaktion.

Bezirksredaktionen des EPV existieren in München, Augsburg, Bayreuth, Nürnberg, Regensburg und Würzburg. Die Präsenz in den Regionen sei unverzichtbar, um die Vielfalt des kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens wahrzunehmen und darzustellen, so Gertz. Zuletzt hatte der EPV sein Redaktionsbüro in Regensburg personell verstärkt. (0897)

(Artikel vom 15.04.2011)