Die Osterstadt
Die Osterstadt
In Oettingen wird die Tradition der Osterbrunnen intensiv gepflegt
In Oettingen ist jeden Tag Ostern. Na ja, fast jeden Tag. Und auch nur für ein paar fleißige Oettinger Heinzelmännchen ? oder vielmehr Heinzelfrauen wie es in diesem Fall besser heißen sollte. Bettina Schramm ist eine von ihnen. Wenn die anderen Oettinger ihre Adventskerzen anzünden und sich auf Weihnachten freuen, malt sie mit ihren Helferinnen Ostereier an. Mitten im Dezember. Oder sie bessern kaputte Ostereier aus, wenn die anderen im Sommer in der Sonne braten. Und in der Faschingszeit fädeln die Heinzelfrauen schon Ostereierketten auf.
"Ich wollte, dass die Tradition der Osterbrunnen nicht verloren geht, deswegen habe ich vor zehn Jahren die Koordination für das Schmücken der Brunnen begonnen", sagt Bettina Schramm, die, wenn sie nicht gerade mit Ostern beschäftigt ist, im Vorzimmer des Bürgermeisters in Oettingen arbeitet. Ihr ist es zu verdanken, dass in Oettingen mittlerweile acht farbenfrohe Brunnen und ein dekorierter Kreisverkehr zu bewundern sind. Der Brauch, um die Osterzeit herum die Dorfbrunnen einige Wochen lang mit Grünzeug, Blumen und bemalten Ostereiern zu verschönern, stammt ursprünglich aus der Fränkischen Schweiz.
In früheren Zeiten, als es noch keine Wasserleitungen gab, säuberten die Menschen dort nach der langen Winterzeit ihre Brunnen und Quellen und schmückten sie anschließend mit frischem Grün und damals noch echten ausgeblasenen Hühnereiern, die bis heute als Symbole für neues Leben gelten. Über die Jahre hat sich der Brauch in Bayern bis nach Schwaben und Oberbayern ausgeweitet. In Oettingen kann man heute sogar noch zu Brezeln oder "Brunnenstrickle" geformte Symbolgebäcke aus Hefeteig bewundern, die an die Osterbrunnen gehängt werden. "Da freuen sich die Vögel ,und manchmal beißt auch Kind hinein, aber eigentlich schmecken sie nicht so gut", sagt Bettina Schramm.
In diesem Frühjahr haben sie und ihre Helferinnen besonderes Glück. Als sie wie immer vor Palmsonntag endlich ihre Osterbrunnen aufbauen, jagt der Wind weiße Wolken über den strahlend blauen Himmel. Morgens um halb neun geht es los. Mit Blumenpaletten, Kisten voller bunter Ostereier, Palmbuschen, Girlanden und Gestecken aus Moos, Tannenzweigen, Wacholder, Buchsbaum und Stechpalmen bewaffnet, zieht eine kleine Gruppe von Frauen in Jeans und warmen Jacken los, um das kleine Oettingen mit den hübschen Fachwerkhäusern in einen farbenfrohen Touristenmagneten zu verwandeln.
"Wir haben bis zu achtzig Helferinnen und Helfer gehabt, die uns über das Jahr geholfen haben und mit uns in den letzten Tagen im städtischen Bauhof die Gestecke und das Grünzeug gebunden haben, das uns Privatleute gespendet haben", sagt Bettina Schramm. Sie ist sehr dankbar dafür, dass sie von so vielen Vereinen und Privatleuten bei ihrer ganzjährigen Osterarbeit unterstützt werden. Bald bleiben die ersten Bewunderer stehen, um sich die entstandenen Kunstwerke anzuschauen. Auffallend schön ist zum Beispiel der vom Obst- und Gartenbauverein gestaltete Froschbrunnen, auf dem in einer Pflanzenkrone ein Osterhasenpaar thront oder der Marktplatzbrunnen der Oettinger Bürgerinnen und Bürger, an dem die Ostereierketten sanft im Wind schaukeln.
"Ich bin immer froh, wenn alles fertig ist und auch ein bisschen stolz", sagt Schramm. Auf die Oettinger wartet nun noch das Osterbrunnenfest, das am Ostermontag, ab 13 Uhr stattfindet. Rund 800 Besucher werden erwartet, die an diesem Tag an den Brunnen vorbei flanieren, die heuer bis zum 1. Mai geschmückt bleiben. Die tagelange Malarbeit, das Auffädeln von bis zu 300 Eiern langen Osterketten im Werkraum der Oettinger Volkshochschule und die aufwendige Bindearbeit im Bauhof hat sich wieder einmal gelohnt. Ostern soll in Oettingen ruhig weiter das ganze Jahr bestimmen. (0942)


