Kreuz gegen Hakenkreuz

Korrespondentenbericht | epd - Landesdienst Bayern

Kreuz gegen Hakenkreuz

Der kirchliche Widerstand in der NS-Zeit war keine Massenbewegung, sondern bestand aus einzelnen Mutigen Von Daniel Staffen-Quandt (epd)

Anders als bei Parteien, Gewerkschaften und manchen Vereinen trauten sich die Nationalsozialisten bei den christlichen Kirchen nicht, sie einfach zu verbieten. Gleichwohl war die Kirchenpolitik des NS-Regimes natürlich auf Gleichschaltung ausgelegt, dem Totalitätsanspruch der NS-Ideologie hatte sich alles unterzuordnen. Die Nazis erklärten kurzum das "positive Christentum" zur Volksreligion aller Deutschen - und ordneten es dabei ihrer menschenverachtenden Rassenlehre unter.

Die Gleichschaltungsbestrebungen in den christlichen Kirchen und die angebliche kritische Aufgeschlossenheit des Nationalsozialismus dem christlichen Glauben gegenüber, rief in der evangelischen und in der katholischen Kirche Widerstand hervor. Wie in allen gesellschaftlichen Gruppen waren die Gegner des NS-Regimes, oder vielmehr die, die sich lautstark öffentlich gegen die Nazi-Herrschaft zu Wort meldeten, auch hier in der Minderheit. Der kirchliche Widerstand in der NS-Zeit war keine Massenbewegung, sondern wurde von Einzelnen getragen.

Neben Georg Häfner, dem einstigen Pfarrer von Oberschwarzach (Kreis Schweinfurt), der diesen Sonntag (15. Mai) im Kiliansdom zu Würzburg für seinen Märtyrertod im Konzentrationslager Dachau seliggesprochen wird, gab es eine Reihe von katholischen und evangelischen Pfarrern, die sich mit dem NS-Regime anlegten. Häfner selbst war kein lauter und auch kein politischer Widerständler. Er war überzeugter Katholik - und verweigerte unter anderem den Hitlergruß. Aus welchem Anlass genau er ins Fadenkreuz der Gestapo kam, lässt sich kaum noch ermitteln.

Anders ist das zum Beispiel bei Paul Schneider, einem evangelischen Pfarrer, der als "Prediger von Buchenwald" Bekanntheit erlangte. Der hessische Landpfarrer geriet bereits ab 1933 in Konflikt mit den Nazis, denn er stemmte sich öffentlich gegen deren Herrenmenschentum und Rassenwahn. Im November 1937 wurde er ins KZ Buchenwald gesteckt, dort rief er während des Morgenappells aus der Bunkerzelle Bibelworte und Durchhalteparolen, bis ihn KZ-Aufseher verprügelten. Im Juli 1939 wurde er vom Lagerarzt mit einer Überdosis Strophanthin ermordet.

Ein berühmter katholischer Vertreter des kirchlichen Widerstandes war Clemens August Kardinal Graf von Galen, der von 1933 bis zu seinem Tod am 22. März 1946 Bischof von Münster war. Von Anfang an stellte er sich gegen die Einmischung des NS-Regimes in kirchliche Belange und griff die Nazis und ihre Ideologie öffentlich an. Bekanntheit außerhalb seines Bistums und Deutschlands erreichte der Bischof mit seiner klaren Haltung gegen die von den Nazis propagierte Tötung des sogenannten "lebensunwerten Lebens", also von Armen, Kranken und Behinderten.

Der wohl bekannteste evangelische Theologe, der sich offen gegen das Nazi-Regime stellte, war Dietrich Bonhoeffer. Bonhoeffers Familie nahm die Machtergreifung Hitlers von Beginn an kritisch wahr. Ab April 1933 wandte sich Bonhoeffer gegen die Judenverfolgung und war im Kampf gegen die Kirchen-Gleichschaltung aktiv. 1935 übernahm er nach zwei Jahren in London das Predigerseminar der "Bekennenden Kirche". 1941 erhielt Bonhoeffer Schreibverbot, 1943 wurde er verhaftet, am 9. April 1945 wurde der Theologe auf Befehl Hitlers im KZ Flossenbürg erhängt.

Eng verknüpft mit Bonhoeffer ist das Schicksal von Martin Niemöller. Mit Bonhoeffer und anderen gründete Niemöller den Pfarrernotbund zum Schutz der bedrohten Amtsbrüder jüdischer Herkunft. Niemöller, selbst jahrelang überzeugter Nationalsozialist, entfremdete sich zunehmend vom NS-Regime, blieb aber gleichwohl bis nach Kriegsende Nationalist. 1937 wurde er verhaftet, 1938 kam er ins KZ Sachsenhausen, später nach Dachau. Niemöller war Mitautor des Stuttgarter Schudbekenntnisses, das die Mitschuld evangelischer Christen an NS-Verbrechen einräumte.

Auch Sophie Scholl stellte sich aus christlicher Motivation heraus gegen die Nationalsozialisten. Sie war zwar nicht im kirchlichen Widerstand aktiv, vielmehr war sie nach der Machtergreifung zunächst sogar vom propagierten Gemeinschaftsgefühl der Nazis angetan und trat auch dem Bund Deutscher Mädel (BDM) bei. Die Umkehr kam im Jahre 1941, als die junge Frau Werke des Kirchenlehrers und Philosophen Augustinus von Hippo (354-430) las. Scholl arbeitete bei der Studenten-Widerstandsgruppe "Weiße Rose" mit. Am 18. Februar 1943 wurde sie verhaftet, vier Tage später enthauptet.

Als einer der wenigen lautstarken NS-Kritiker überlebte der bayerische evangelische Pfarrer Karl Steinbauer das Nazi-Regime. Er stellte sich bereits mit der Machtergreifung aktiv gegen die Nationalsozialisten. Er kritisierte in Briefen, Reden und Predigten den Nationalsozialismus und geriet so auch in Konflikt mit der Landeskirche, weil er sich gegen die Gleichschaltung stemmte. Auch protestierte er gegen die Deportation von jüdischen Gemeindemitgliedern in Konzentrationslager. Insgesamt war Karl Steinbauer vier Mal in Haft, einmal davon im KZ Sachsenhausen.

Während Steinbauer mit dem Leben davonkam, musste der katholische Pater Maximilian Kolbe für seine Überzeugungen sterben. Der polnische Franziskaner betrieb auch nach dem Einmarsch der Deutschen in Polen rege Missionsarbeit. 1939 wurde er zusammen mit 40 Brüdern von der Gestapo verhaftet, aber wieder freigelassen. Im Februar 1941 wurde er erneut festgenommen, Kolbe hatte Juden in seinem Missionszentrum aufgenommen. Im KZ Auschwitz ging er für einen seiner Mithäftlinge in den Hungerbunker, dort wurde er am 14. August 1941 ermordet. (1087)

(Artikel vom 12.05.2011)