Bremer Solidaritätspreis für Kampf gegen das Vergessen

Meldung lang | epd - Landesdienst Bayern

Bremer Solidaritätspreis für Kampf gegen das Vergessen

Der mit 5.000 Euro dotierte neunte Bremer Solidaritätspreis ist den Menschenrechtlern Elsa de Oesterheld und Kuno Hauck verliehen worden. Der Senat würdigte damit ihren jahrelangen Kampf für eine Bestrafung von Morden und Folterungen, die die argentinische Militärdiktatur zwischen 1976 und 1983 verübt an. Sie blieben bisher aufgrund einer gesetzlichen Amnestie ungesühnt. Der Preis gebe ihr die Hoffnung, "dass wir mit Geduld Gerechtigkeit erfahren können", sagte Elsa de Oesterheld vor Journalisten.

Die Militärjunta hat nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen bis zu 30.000 Menschen entführt und ermordet, darunter acht Mitglieder der ursprünglich aus Bremen stammenden Familie de Oesterheld. Die 80-jährige Elsa de Oesterheld kämpft dafür, das Schicksal von etwa 100 deutschstämmigen Verschleppten aufzuklären und die Schuldigen zu bestrafen. Die jahrzehntelange Straflosigkeit sei eine Qual, die von den Angehörigen oft als fortdauernde Folter erlebt werde, sagte sie. Die Täter dürften aus Gründen der Menschlichkeit nicht straflos bleiben.

Auf deutscher Seite setzt sich dafür der evangelische Theologe Hauck (48) aus Nürnberg als Mitbegründer der "Koalition gegen Straflosigkeit" ein. Dazu gehören 15 Organisationen wie amnesty international. Das Bündnis hat bisher 34 Strafanzeigen bei der Justiz in Nürnberg eingereicht. Die meisten Verfahren sind jedoch eingestellt worden. Haftbefehle wurden nur im Zusammenhang mit den Morden an den deutschen Staatsbürgern Claus Zieschank und Elisabeth Käsemann ausgesprochen.

In diesem Zusammenhang gibt es ein Auslieferungsbegehren der Bundesregierung gegen den ehemaligen Junta-Chef Jorge Videla, das allerdings ruht. Hauck kritisierte, mit der Ablehnung der Verfahren werde das Unrecht der Militärdiktatur fortgeschrieben. Die Koalition gegen Straflosigkeit fordere unter anderem mit einer Postkartenkampagne eine Wiederaufnahme der Verfahren. Er hoffe, dass mit der Preisverleihung "das Unrecht der Vergangenheit in Zukunft kein Unrecht bleiben muss".

Die Evangelische Kirche in Deutschland hat Hauck zwischen 1985 und 1993 als Auslandspfarrer nach Argentinien entsandt. Der Solidaritätspreis wird seit 1988 alle zwei Jahre vom Bremer Senat verliehen. Mit ihm werden Personen und Gruppen gewürdigt, die sich gegen Kolonialismus und Rassismus und für die Freiheit und Selbstbestimmung der Menschen engagieren. Erste Preisträger waren Winnie und Nelson Mandela.

(Artikel vom 21.02.2005)