Glück warnt vor Zulassung der Präimplantationsdiagnostik

Meldung lang | epd - Landesdienst Bayern

Glück warnt vor Zulassung der Präimplantationsdiagnostik

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, hat vor der Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) gewarnt. "Wir sind schon wieder viel tiefer in Unterscheidungen von 'lebenswertem' und 'nicht lebenswertem Leben', als den meisten bewusst ist", sagte der CSU-Politiker am Freitag auf dem evangelischen Kirchentag in Dresden. Perfektion sei aber nicht der Kern des menschlichen Wesens, werde von Gott nicht verlangt und entspreche auch nicht dem christlichen Menschenbild.

Das gelte vom Embryonenschutz über die PID bis zum Schutz der Menschenwürde im Alter, in Krankheit und beim Sterben. Niemand dürfe sich überflüssig, unerwünscht oder gar als "vermeidbarer schuldhafter Schaden" fühlen. Gott gebe dem Menschen die Freiheit, das Leben zu wählen, "nicht die tödliche Perfektion", sagte Glück. Daher dürfe sich auch die Medizin und Biotechnologie nicht allein auf das technisch Machbare berufen: "Wir haben keine Legitimation für die Manipulation und Selektion des Lebens."

Der 114. Deutsche Ärztetag hatte sich am Mittwoch in Kiel mit großer Mehrheit für die Zulassung der PID in engen Grenzen ausgesprochen. Bei der PID werden im Reagenzglas erzeugte Embryonen vor dem Einpflanzen in die Gebärmutter genetisch untersucht und gegebenenfalls ausgesondert, um Erbkrankheiten zu verhindern. Der Bundestag berät derzeit über eine Neufassung der gesetzlichen Regelungen, nachdem der Bundesgerichtshof im vorigen Jahr entschieden hatte, dass die PID nach geltendem Recht in Deutschland nicht strafbar ist.

Glück, der als CSU-Politiker fast 40 Jahre dem bayerischen Landtag angehörte, war im vergangenen Jahr der katholische Präsident des 2. Ökumenischen Kirchentags in München. Er hatte in der Ökumene zur Geduld gemahnt, von seiner eigenen Kirche aber auch einen Erneuerungsprozess gefordert. (1279)

(Artikel vom 03.06.2011)