Bundeswehr prüft "Kriegsspiel"-Vorwürfe in Kaserne von Bad Reichenhall

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Bundeswehr prüft "Kriegsspiel"-Vorwürfe in Kaserne von Bad Reichenhall

Militärseelsorger: Aktion "moralisch fragwürdig"

Die Bundeswehr-Kaserne in Bad Reichenhall steht unter Druck: Bei einem Tag der Offenen Tür sollen Kinder und Jugendliche die Gelegenheit bekommen haben, auf eine Modellstadt mit dem Namen "Klein-Mitrovica" zu schießen. Es werde untersucht, ob bei der Aktion "bestehende Vorschriften und Regeln" missachtet wurden, wie Norbert Rahn vom Verteidigungsministerium für die Angelegenheiten des Heeres in Berlin am Montag auf epd-Anfrage erklärte.

Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen hätten die Kinder und Jugendlichen, anders als viele Medienberichte behaupteten, nicht auf die Modellstadt mit Holzhäusern geschossen. Vielmehr sei es darum gegangen, bei dem Spiel die Entfernung zu einzelnen Objekten zu schätzen, sagte Heeressprecher Rahn. Gleichwohl müsse geprüft werden, ob gegen die Grundregeln für derlei Aktionen verstoßen worden sei.

Dass für die Modellstadt der Name "Klein-Mitrovica" gewählt wurde, sei "gedankenlos und geschmacklos" gewesen, so Rahn weiter. Offenbar sei den Beteiligten die historische Dimension dieses Ortsnamens nicht bewusst gewesen. In der Stadt Mitrovica kam es im Zweiten Weltkrieg und im Kosovo-Krieg 1999 zu schweren Kämpfen.

Der Münchner Militärdekan Alfred Gronbach sagte dem epd, die Aktion zeuge von "wenig Feingefühl" und sei "moralisch fragwürdig". Er warnte vor vorschnellen Urteilen: Es sei wichtig, bei der Untersuchung akribisch vorzugehen, um die richtigen juristischen und disziplinarischen Entscheidungen treffen zu können. "Als Militärseelsorger greifen wir nicht in die Ermittlungen ein, geben aber Hilfestellung zu einem kritischen Umgang mit der Aktion", sagte Gronbach. Denkbar sei etwa ein Gespräch im Rahmen des lebenskundlichen Unterrichts oder eine Veranstaltung zum Thema.

Den Eklat um das "Kriegsspiel" in der Kaserne hatte es gegeben, nachdem das autonome Bündnis "Rabatz" einige Fotos der Veranstaltung mit entsprechendem Kommentar ins Internet gestellt hatte. Darin forderte das Bündnis unter anderem die Aufarbeitung der Geschichte Bad Reichenhalls, ein Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus und eine "sofortige Schließung der nach dem SS-General Rudolf Konrad benannten Kaserne". (1294)

(Artikel vom 06.06.2011)