Betriebe in den Herkunftsländern aufbauen

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Betriebe in den Herkunftsländern aufbauen

Präsident des Bundesamtes für Migration besuchte Nürnberger Presseclub

Für eine Verknüpfung von Zuwanderungspolitik und Entwicklungshilfe hat sich der Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Manfred Schmidt, ausgesprochen. Es sei entscheidend, die wirtschaftliche Situation in der jeweiligen Herkunftsregion der Menschen zu verbessern, sagte er am Dienstagabend im Nürnberger Presseclub. "Eine neue Fabrik in Ägypten hilft den Menschen dort am stärksten", so Schmidt, der seit einem halben Jahr das Bundesamt leitet. Als Vorbild nannte er das Kosovo, in dem aus Mitteln eines europäischen Rückkehrfonds viele Handwerksbetriebe aufgebaut worden seien. Schmidt begrüßte auch Aufklärungskampagnen, um potenziellen Wirtschaftsflüchtlingen ein realistisches Bild ihrer Chancen in Deutschland zu zeigen. So sei zum Beispiel der Zuzug aus Bosnien gestoppt worden.

Zugleich plädierte der Präsident für eine neue deutsche "Willkommens- und Aufnahmekultur", um dringend benötigte Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen. "Anders, als manche behaupten, steht keineswegs eine Million hoch qualifizierter Arbeitskräfte vor unseren Toren", sagte Schmidt. Auch würden Amerikaner und Kanadier zum Beispiel an deutschen Schulen in Südamerika gezielt qualifizierte Leute abwerben.

Deutlich distanzierte sich Schmidt von den Thesen Thilo Sarrazins, dem er vorwarf, lediglich "Halbwahrheiten in Diagrammen" zusammengestellt zu haben. Zwar gebe es unter türkischen Immigranten eine hohe Zahl an Schulabbrechern, andererseits verfügten 80 Prozent der aus dem Iran eingewanderten Muslime über Abitur. Ein Problem sieht der Präsident darin, dass türkischen Immigranten das deutsche Schulsystem mit starker Eigenverantwortung der Eltern oftmals fremd erscheine. (1306)

(Artikel vom 08.06.2011)