Die "neuen Alten" leben nicht auf dem Traumschiff

Meldung lang | epd - Landesdienst Bayern

Die "neuen Alten" leben nicht auf dem Traumschiff

Tutzinger Medientage zur Fernsehnutzung der Älteren

Die gesellschaftlichen Veränderungen im Arbeitsleben und in der Mediennutzung werden die ältere Generation stärker erfassen als die jüngere. Das wurde zum Auftakt der Tutzinger Medientage betont, die sich bis Dienstag mittag mit der Fernsehnutzung der Generation "50 Plus" beschäftigt. Wer leistungsfähig und leistungsbereit sei, werde "unabhängig vom Lebensalter" seinen Alltag gestalten. Selbst für viele 70-jährige sei das ZDF-Traumschiff keine attraktive Perspektive mehr, wurde betont.

Tätig zu sein statt in einem "Alten-Ghetto" ein realitätsfernes Leben zu führen, sei der Trend, so der Bamberger Bevölkerungswissenschaftler Professor Josef Schmid. Zur Zeit der Bismarckschen Sozialgesetzgebung seien nur sechs Prozent der Bevölkerung über 60 alt gewesen. Da sei es sinnvoll gewesen, die Sorge für sie der jüngeren Generation anzuvertrauen. Mehr als 50 Prozent der Menschen in Deutschland seien damals 20 Jahre und jünger gewesen. In naher Zukunft würden aber 30 Prozent der Bevölkerung über 60 Jahre alt sein. Dass sie nicht auf einem "Traumschiff" leben und sich von den Jungen bedienen lassen können, leuchte ihnen ein, so Schmid.

Inzwischen beginne sich Wirtschaft und die Medien auf die neue Situation einzustellen. Die Haupt-Zielgruppe der Werbung, die bisher zwischen 14 und 49 lag, werde zumehmend um die Gruppe 50 bis 59 Jahre erweitert. Der Altersdurchschnitt der Zuschauer liege bei der ARD bei 58 Jahren, beim ZDF bei 59, bei den Dritten zwischen 58 und 60 Jahren, bei PRO7 hingegen bei 36 Jahren. Die Medien-Interessen der älteren Menschen deckten sich mit dem Programmangebot der Öffentlich-Rechtlichen Anstalten mit ihrem Schwergewicht auf Information und Beratung. Die Privaten böten hingegen eher fiktionale Traumwelten an, die den Interessen jüngerer Menschen entgegen kommen.

(Artikel vom 28.02.2005)