Aufruf zur Solidarität mit den Schwachen
Aufruf zur Solidarität mit den Schwachen
Jahresempfang der Diakonie Neuendettelsau
Die Solidarität der Starken mit den Schwachen und die Sozialpflichtigkeit des Eigentums müssen nach Ansicht des Neuendettelsauer Diakoniewerks-Rektors Hermann Schoenauer Maßstäbe der Politik bleiben. "Derzeit wird eher danach gefragt, wie es dem DAX geht als dem Nachbarn", kritisierte er am Donnerstagabend beim Jahresempfang des größten evangelischen Sozialunternehmens in Bayern. Alleinerziehende, Behinderte und Alte würden an den Rand der Gesellschaft gedrängt.
Die Diakonie müsse leidenschaftlich dafür kämpfen, dass alte Menschen nicht nur satt und sauber gehalten, sondern in einer Atmosphäre der Menschlichkeit und Würde leben könnten. Benachteiligten Jugendlichen dürfe der Weg in die Zukunft nicht verschlossen und Kranke dürften nicht von medizinischen Leistungen ausgeschlossen werden. Schoenauer kritisierte den Bezirk Mittelfranken wegen der 2004 und 2005 einseitig beschlossenen Nullrunden bei der Eingliederungshilfe für Behinderte. Die Diakonie Neuendettelsau habe deshalb Personal abbauen müssen. Damit sinke der Betreuungsstandard.
Stephan Reimers, Bevollmächtigter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei der Bundesregierung und der EU, forderte Gebührenfreiheit für Kindertageseinrichtungen. Die Pisa-Studie habe gezeigt, dass in Deutschland mehr als anderswo die Herkunft und das Einkommen der Eltern die Zukunft der Kinder bestimmen. Wer einigermaßen gleiche Startchancen für alle Kinder wolle, müsse bei der Bildungsarbeit im Elementarbereich ansetzen. "Schulabbrecher sind die Arbeitslosen und die Protestwähler von morgen", sagte der EKD-Chefdiplomat.
Weitere Reformen der Sozialsysteme bezeichnete Reimers als unausweichlich. Schon heute arbeite keine der großen Sozialversicherungen in Deutschland nachhaltig. Dazu komme verschärfend die demographische Entwicklung mit der "Menetekelzahl", dass 100 Deutsche nur noch 63 Kinder und 39 Enkel haben. Grundsatz aller Reformen müsse die Absicherung allgemeiner Lebensrisiken durch die Solidargemeinschaft sein, forderte er. Dazu gehöre selbstverständlich die Hüftoperation nach dem 75. Lebensjahr als Kassenleistung.


