Günzburger erinnern an Mengele-Opfer
Günzburger erinnern an Mengele-Opfer
Auf dem Mahnmal im Dossenbergerhof blicken den Betrachter 130 "Augen" an
60 Jahre nach der Befreiung des KZ Auschwitz erinnert in der Günzburger Innenstadt eine Gedenktafel an die Opfer jenes Mannes, dessen Name für besonders grausame medizinische Versuche in diesem Konzentrationslager steht. Der aus Günzburg stammende KZ-Arzt Josef Mengele konnte nach dem Krieg mit Unterstützung seiner vermögenden Familie untertauchen und lebte bis zu seinem Tode unter falschem Namen in Südamerika. Dass die Günzburger mit dem NS-Verbrecher unter einer Decke stecken - dieser in der Nachkriegszeit häufig geäußerte Verdacht lag seitdem wie ein dunkler Schatten über der schwäbischen Kleinstadt.
Die Bronzetafel, die am Dienstag im Dossenbergerhof in Günzburg enthüllt wurde, ist gestaltet aus 130 Augen, die den Betrachter ansehen. Die "Augen" wurden von Schülern Günzburger Gymnasien entworfen und modelliert. Sie sollen an jene Verbrechen des KZ-Arztes erinnern, die an Kindern verübt wurden und darin gipfelten, dass Zwillingen die Augen ausgestochen wurden.
Auslöser für die Errichtung des Mahnmals war das Buch des Augsburgers Sven Keller "Günzburg und der Fall Mengele", das vor zwei Jahren für Diskussionen sorgte. Damit wurde ein, offenerer Umgang mit dem in Günzburg meist verdrängten Namen möglich. Auf Anregung der CSU-Bezirksrätin Ruth Niemetz wurde die Tafel vom Stadtrat in Auftrag gegeben. "Vielleicht wird man uns vorwerfen, wir hätten uns sehr spät mit diesem dunklen Faktum auseinander gesetzt, doch wir hoffen, dass unser Vorhaben nicht als zu spät empfunden wird", erklärte Günzburgs Oberbürgermeister Gerhard Jauernig (SPD) in der Feierstunde.
Im Mittelpunkt des Medieninteresses standen zwei ehemalige Auschwitz-Häftlinge. Die fast 90-jährige Lisa Hermanowa aus Budweis (Tschechien) und Hugo Höllreiner, der die Lager Auschwitz, Ravensbrück, Mauthausen und Bergen-Belsen überlebt hat, berichteten stockend und unter Tränen, wie sie als Kinder von dem KZ-Arzt gequält wurden und wie durch ein Wunder überlebt haben.


