Mediziner: Immer mehr Menschen sind internetsüchtig
Mediziner: Immer mehr Menschen sind internetsüchtig
Rund 1,3 Prozent der Internetnutzer sind onlinesüchtig und vernachlässigen dafür ihre realen Beziehungen. Insbesondere Jugendliche seien betroffen, warnten Suchtmediziner bei einem Kongress mit rund 700 Fachleuten und Interessierten aus ganz Deutschland in München - Tendenz steigend. "Die virtuelle Welt ersetzt die reale, so dass Aufgaben und Verpflichtungen im wirklichen Leben nicht mehr wahrgenommen werden", sagte der Mediziner und Kongressleiter Markus Backmund. Daher müsse Mediensucht als Krankheit anerkannt werden.
Zu den Symptomen von Internetsucht gehören den Forschern zufolge körperliche Entzugserscheinungen, sobald die Nutzer ihren Konsum verringern, depressive Verstimmungen, Unruhe und Reizbarkeit. Auch aggressive Ausbrüche, wenn der Computer aussetzt oder von anderen abgeschaltet wird, könnten insbesondere bei Jugendlichen ein Zeichen für die Abhängigkeit sein. Ursache für exzessiven Medienkonsum und Internetsucht können die Flucht vor persönlichen Problemen, Minderwertigkeitskomplexe, Einsamkeit, Probleme bei der Kontaktaufnahme zu anderen Menschen oder einfach der Wunsch, dem Alltag zu entfliehen, sein.
Internetsucht und weitere Abhängigkeiten von Medien treten nicht selten in Kombination mit anderen Süchten oder gesundheitlichen Störungen auf, wie Kongressteilnehmer betonten. So gehe man derzeit davon aus, dass bei jedem dritten Kind, das stark unruhig ist (ADHS-Syndrom), auch eine Mediensucht im Spiel sein könne. Eine standardisierte Behandlungsmethode gebe es noch nicht. (1459)


